Anders aber gab er sich zuhause, bei den Spielen im Garten, wo die Kinder unter sich waren. Da trachtete er, das Versäumte nachzuholen, und forderte sein vorenthaltenes Teil mit Zinsen ein. Blanche, die ganz nach Lust und Laune handelte, und keinen eigentlich bevorzugte, fühlte sich dann manchmal von seinem heftigen Wesen befremdet, und hielt sich ein wenig zurück, ohne zu ahnen, wie weh sie ihm tat und wie sehr sie ihn reizte.
Ihr Name erschien schon lange wieder in seinen Gebeten, und er stammelte ihn halb laut aus sehnsüchtigen und kranken Träumen heraus.
Und eines Nachts, als ein Traum ihm gezeigt hatte, wie Blanche Hand in Hand mit Lux Blumen pflückte, während er abseits stand und nicht zu ihnen konnte, saß er, erwacht, aufrecht im Bett und starrte voll Zorn, Haß und Kummer durch das Dunkel auf Lux, der ruhig in seinen Kissen lag. Manuels Fäuste ballten sich, und seine Zähne preßten sich wild aufeinander. Hätte Lux Licht gemacht, er hätte sich vor diesem Gesicht entsetzt, das durchaus nicht mehr kindlich aussah, sondern mit dem Ausdruck einer fast männlichen Energie heißen Haß und tiefschneidendes Weh verband.
Lux wachte freilich, und auch seine Gedanken beschäftigten sich mit Manuel. Er sah ihn auch, obgleich nur undeutlich, aufrecht im Bett sitzen, wenn der Vorhang, hinter dem das Fenster offen stand, von einem stärkeren Luftzug getroffen sich leise hin und her bewegte und das Dunkel ein wenig aufhellte. Auch suchte Lux nach einem Wort, ihn anzureden, aber er fand keines; denn was ihn zu reden trieb, beschäftigte auch wieder so sehr seine Gedanken, daß er damit nicht fertig wurde.
Manuel hatte im Schlaf laut und leidenschaftlich Blanches Namen gerufen.
»Blanche! Blanche!«
Zweimal hatte der geliebte Name mit einem wehen Laut durch das Dunkel und durch die Stille gezittert. Etwas Fremdes, nicht Gekanntes klang dem erschreckten Lux daraus entgegen.
»Blanche! Blanche!«
»Was hast du? Was ist dir?«, wollte Lux rufen, aber etwas lähmte seine Zunge, benahm ihm den Atem. Fast unheimlich klang dieses zweimalige Rufen.
Und jetzt wurde wieder Manuels Stimme laut.