Die Folge dieses nächtlichen Zwiegespräches war eine weitere Entfremdung zwischen den Knaben. Lux betrachtete Manuel jetzt mit ganz anderen Augen. Er fühlte etwas wie Neid. So viel er von Blanche hielt, seinen Schlaf hatte sie ihm noch nie gestört. Und nun gar diese Tränen, dieser leidenschaftliche Ausbruch Manuels in der Nacht. Er schämte sich und schalt sich, daß er nicht auch so empfand. Manuel war freilich auch schon älter als er und in vielem reifer. Lux war ehrlich genug, es anzuerkennen, und hatte Respekt vor ihm. Aber das wurmte ihn wieder; er hätte ihn lieber verachtet. Sein Selbstgefühl bäumte sich auf, und er besann sich darauf, daß er ältere Rechte als Manuel hatte, der nur ein Eindringling war. Und zugleich erwachten Gedanken in ihm, die bisher geschlummert hatten.
»Ich liebe Blanche auch. Er soll nicht glauben, daß er es allein ist.« Und er wurde mißtrauisch und beobachtete die beiden.
Manuel haßte Lux nur umsomehr, als er ihn jetzt zu fürchten hatte. Oh, daß er sich ihm in jener Nacht in seiner Seelennacktheit gezeigt hatte! Er schämte sich vor ihm und suchte seinem Blick auszuweichen, wurde argwöhnisch und belauerte Blanche, ob sie wohl etwas wisse. Ganz im tiefsten Innern war dabei der heimliche Wunsch rege, sie möchte es wissen; er würde Lux jetzt nicht mehr deshalb töten.
»Du hast doch nichts gesagt?« fragte er ihn zwei Tage später und zwang sich zu einem Ton freundlicher Vertraulichkeit.
»Was denn?« fragte Lux mit verstellter Gleichgültigkeit.
Manuel ärgerte sich.
»Das weißt du recht gut.«
»Ach das.«
Der Ton war womöglich noch gleichgültiger.
»Ich will es aber wissen!«