Einer der Musikanten, der Fagottbläser, ein großer Mensch mit einem roten Gesicht, nimmt ihn auf die Arme und trägt ihn ins Haus.

Frau Elisabeth, mit dem willenlosen Manuel an der Hand, folgt. Sie schickt die kleinen Gäste nach Hause, und das schöne Fest findet ein jähes schreckliches Ende.

Kein Wort ist aus Manuel herauszubringen, so sehr auch Frau Elisabeth in ihn dringt. Aber er wirft sich ihr zu Füßen und bleibt unter heftigem Schluchzen liegen, bis man ihn gerührt, erschüttert, aufhebt und auf sein Bett legt.

Als der Vater vom Kontor nach Hause kam, hatte Blanche bereits alles gebeichtet, unter strömenden Tränen. Die Gatten verharrten in dumpfem Schweigen gegeneinander. Wie sollten sie sich über das unselige Geschehnis auslassen. Erst nach und nach sprachen sie sich aus. Sie gedachten jenes römischen Briefes als einer Warnung, die sie nicht verstanden hatten, und machten sich Vorwürfe. Hätte nicht ein solches Beispiel, wohin ungebändigte Leidenschaft führt, auf Manuel Eindruck machen und das Schreckliche verhüten können?

Eine Depesche eilte nach Rom, und schon am dritten Tage saß Dr. Irmler gebrochen am Bett seines Knaben. Man hatte Lux noch nicht umbetten können; doch gab der Arzt Hoffnung, daß es sich in den nächsten Tagen ermöglichen ließe. Direkte Lebensgefahr war nicht vorhanden, aber der Kranke bedurfte der sorgsamsten Pflege und äußersten Schonung. Der linke Lungenflügel war durch den Stich der kurzen Taschenmesserklinge verletzt worden. Die Heilung war sicher, wenn sie in Ruhe, ohne Störung vor sich gehen konnte.

Dr. Irmler, so dicht vor den Verlust seines einzigen Glückes gestellt, wollte doch die Selbstanklagen der Freunde nicht gelten lassen und war weit davon entfernt, ihnen irgend einen Vorwurf zu machen. Wie hätten sie ein solches Unglück verhüten wollen? Was hätte sie bei der großen Jugend der Kinder auf die rechte Spur führen sollen, auf den Gedanken, daß sich hier in diesen jungen Seelen eine Tragödie vorbereite?

Manuel war freilich als leidenschaftliches Kind bekannt, aber doch auch als ein edelveranlagter Charakter wiederholt erprobt worden. Sein tiefer Schmerz jetzt, sein völliges Zusammenbrechen entwaffnete jeden Zorn und rührte die Herzen. Man empfand tiefes Mitleid mit ihm und verschonte den Beklagenswerten mit unnützen Vorwürfen.

Frau Elisabeth hatte ihn auf seinem Zimmer aufgesucht, nachdem sie von Blanche gehört, wie alles gekommen. Er lag mit dem Kopf auf dem Tisch und wagte nicht aufzusehen. Sie trat an ihn heran, legte ihre Hand leise auf seinen dunklen Scheitel und sagte ernst, doch ohne Vorwurf:

»Ich weiß nun alles, Manuel. Wir wollen Gott danken, daß es nicht schlimmer ausgelaufen ist.«

Er tastete nach ihren Händen, überströmte sie mit Tränen und bedeckte sie wieder und wieder mit Küssen. Sie ließ es ruhig geschehen; es würde ihm gut tun. Endlich entzog sie sich ihm leise.