Vier Tage später fuhr ihr Vater mit dem kleinen Spanier weg, ohne daß Blanche ihn wieder gesehen hatte. Manuel ist wieder zu seinem Papa gefahren, hieß es, er läßt dich freundlich grüßen.

Das fand sie empörend. So abzureisen, ohne ihr Adieu gesagt zu haben!

Ob er nie wieder kommen würde?

Sie wagte nicht, danach zu fragen. Aber sie sagte sich, daß sie ihn zum letzten Mal gesehen hatte, daß er für immer weg war.

Und nicht das kleinste Andenken an ihn besaß sie. Sie wußte, er hatte ein altes Schreibheft von ihr, ein paar Haarbänder und ein Stückchen von ihrer roten Geburtstagsschärpe, das er sich selbst abgeschnitten hatte. Aber sie besaß nichts von ihm, gar nichts. Zum Geburtstag hatte er ihr einen Kasten mit feinsten Bonbons geschenkt. Sie hatte sich sehr gefreut, aber die Freundinnen hatten nachher die meisten aufgenascht. Ein paar waren noch nachgeblieben, die wollte sie aufheben. Eine Stunde später aber erschien es ihr doch pietätvoller, sie so zu verwenden, wie Manuel es gewollt hatte. Und sie setzte sich ans Fenster, nahm das Kästchen vor sich auf den Schoß und schob einen Bonbon nach dem anderen in ihren kleinen Mund und zerlutschte ihn mit Hingebung. Ihre Gedanken waren dabei gar nicht einmal bei Manuel, sondern ganz bei der Sache: der schmeckte nach Himbeeren, der nach Pfeffermünz, und das war Kakaobutter!

Und ihre Blicke schweiften dabei träumerisch über den Garten bis zu den hohen Bäumen, die die Wiese jenseits des Bächleins einfaßten und auf deren Wipfeln die leuchtende Sonne eines ersten heißen Augusttages lag.

8. KAPITEL.

Manuel war abgereist, und Lux war umgebettet worden. Blanche war wieder allein im Hause, in dem das Leben wie früher verlief, nur um ein weniges gedämpfter. Sie war zu lange durch die Spielkameraden verwöhnt worden und langweilte sich nun manchmal. Mit Lux würde sie wohl sobald nicht spielen können. Zwar war er außer Gefahr und ging der Genesung entgegen. Aber es ging langsam. Er mußte wohl noch ein paar Wochen ruhig im Bette verbringen. Sie hörte täglich von ihm, aus dem Gespräch der Eltern, und einmal hatte er sie auch grüßen lassen. Ihr Verlangen, ihn zu sehen, war nicht übermäßig groß; es war mehr Neugierde, die sie gern befriedigt hätte, als eigentliche Teilnahme. Er würde schon wieder besser werden, und dann würden sie im Garten wieder zusammentreffen, und sie würde sich erst ein wenig vor ihm schämen, und dann würde alles wie früher sein.