Als Lux soweit war, daß er Besuch empfangen durfte, schickte Frau Elisabeth Blanche mit ein paar Blumen hinüber. Es war Blanche fürchterlich, und sie hätte am liebsten nein gesagt: doch trotzen durfte sie nicht.
Sie ging also zu Irmlers, konnte es aber nicht über sich gewinnen, zu Lux hineinzugehen. Sie gab die Blumen der alten Magdalene und log, ihre Mutter habe gemeint, sie solle Lux lieber noch nicht guten Tag sagen. Natürlich mußte die Unwahrheit herauskommen, und Frau Elisabeth war sehr böse und schickte sie zur Strafe auf ihr Zimmer.
Jetzt vertrotzte sich Blanche.
»Wenn sie mich wieder hinschicken, gehe ich nicht.«
Frau Elisabeth war solche Widersetzlichkeit bei ihr nicht gewohnt. Sie war überrascht und überlegte, ob es nur kindischer Trotz sei, oder ob andere Beweggründe dahinter stecken könnten. Berechtigte Auflehnung mit Gewalt zu brechen, gehörte nicht zu ihren Erziehungsgrundsätzen. Drum sagte sie nur:
»Ich wundere mich über dich, Blanche, und bin sehr traurig. Ich hoffe, du besinnst dich und siehst ein, daß der arme Lux ein Anrecht auf ein freundliches Wort von dir hat.«
Diese Worte machten wohl einigen Eindruck auf Blanche, aber brachen doch ihren Trotz nicht.
»Ich wünsche, daß du jetzt hinüber gehst,« befahl Frau Elisabeth nach ein paar Tagen. »Hier sind Orangen, die werden Lux erfreuen. Komm, ich werde dich begleiten.«
Sie nahm Blanche bei der Hand und ging mit ihr ins Nachbarhaus. Das Kind war blaß und schwankte zwischen Trotz und Tränen. Die alte Magdalene lächelte gutmütig und rief:
»Ei, wird der Lux sich aber freuen, daß du kommst. Und die schönen Orangen! Da geh nur gleich zu ihm hinein. Gerade Orangen sind so gut für ihn.«