»Da wir nur das Eine haben, entschuldigen Sie wohl, daß wir uns Ihnen gleich vollzählig vorstellen,« sagte die junge Frau mit einer gewinnenden, liebenswürdigen Schlichtheit.
»Gib auch hübsch dein Händchen, Blanche.«
Dr. Irmler hielt das kleine Händchen einen Augenblick in der seinen und dachte, »welch ein schönes Kind!«
In der Tat war das kleine Wesen von holdem Liebreiz. Lange, seidenweiche Haare von einem seltenen Blond umrahmten ein Engelsgesichtchen, aus dem eine unbefangene Schelmerei lächelte; sie spielte um den kleinen zierlichen Mund und blitzte aus den hellen blauen Augen.
Er verglich das Gesichtchen mit dem der Mutter und stellte eine Ähnlichkeit fest.
»Siehst du, Rudi,« sagte die junge Frau, und zu Dr. Irmler gewandt, setzte sie hinzu:
»Er bildet sich nämlich ein, das Kind hätte alles Gute von ihm.«
Es entstand ein kleiner scherzhaft geführter Streit, den die Mutter mit der Anerkennung beschloß, daß die kleine Blanche in der Tat viel von dem Wesen ihres Vaters habe und eigentlich »ein kleiner Racker« sei; »aber ein süßer,« fügte sie hinzu und zog die Kleine zärtlich an sich.
Inzwischen war Lux herbeigerufen worden und näherte sich den Fremden mit knabenhafter Scheu. Auf die kleine Blanche warf er einen verschämten Blick und reichte ihr auf Aufforderung seine kühlen Fingerspitzen. Sie hingegen begrüßte ihn mit großen unbefangenen Augen und einem zutraulichen Lächeln, das aber gar keinen Eindruck auf ihn zu machen schien; er zog sich vielmehr hinter den Stuhl seines Vaters zurück. Dr. Irmler holte ihn jedoch wieder hervor, zog ihn an seine Seite, und legte fast unbewußt den Arm um seinen Nacken. So geborgen, musterte Lux etwas dreister die kleine Nachbarin. Wie niedlich ihr das weiße Atlashäubchen stand, unter dem das goldene Haar so reich hervorquoll. Und wie hübsch sie angezogen war. Ein blaues Jäckchen mit weißem Seidenfutter war jedenfalls noch ganz neu. Und wie unbefangen sie sich gab, als ob sie hier zuhause wäre. Das wollte ihn eigentlich ärgern, aber es kam nicht dazu, weil sie eben so niedlich war.
Als sich der Besuch verabschiedete, gab er der Kleinen aus eigenem Antriebe die Hand.