Ans Fenster stellte die Lampe sie
Und wartete an sieben Jahr,
Alle Schiffer kannten ihr Licht,
Das brannte hell und klar.
Sieben Jahre und sieben noch.
Lösch doch deine Lampe aus.
Sie schüttelte ihren weißen Kopf:
Er kommt doch einmal nach Haus.
Und eines Nachts, und die See ging schwer,
Und sie sahen, am Fenster brannte kein Licht;
Da sprachen sie, er ist heimgekehrt,
Ihr Glaube trog sie nicht.
Und morgens, sie wollten den Bruder sehn,
Im Hafen war kein Schiff, kein Boot,
Und sie gingen und fanden die Lampe leer,
Und Wiebke saß und war tot.
Sara Limbeck
Schön Sara, des Ritter Limbecks Weib,
War jung und immer fidel,
Der Ritter aber war krank an Leib
Und alt an Herz und Seel!
Und gab's im Schloss ein fröhlich Bankett
Mit Saras lustigen Kumpanen,
Der Ritter Limbeck lag im Bett,
Bekam nichts von Kapaun und Fasanen.
Und oftmals verdross es schön Sara zu Haus,
Dann musste die Kutsche vor,
Mit vier schwarzen Rappen fuhr sie aus,
Laut knarrte das alte Thor.
Der Ritter richtete sich auf,
Die Knochen zusammengerissen;
Das gibt wieder fröhlich Gejaid und Gesauf!
Und er sank zurück in die Kissen.
Schön Sara lebte in Saus und Braus,
Ritter Limbeck starb allein.
Sie drückte sich keine Thräne heraus,
Jetzt wollt sie erst lustig sein!
Ritter Limbeck lag in der kalten Gruft,
Und oben klirrten die Becher,
Und war mancher Schelm und war mancher Schuft,
Der wurde verliebter und frecher.
Und übers Jahr, und die gleiche Nacht
Und der gleiche Stundenschlag,
Da der Limbeck sein letztes Kreuz gemacht,
Und im Schloss war ein lärmend Gelag,
Da fuhr die große Kutsche vor,
Von vier schwarzen Rappen gezogen,
Und Sara fuhr durch das knarrende Thor,
Und die schwarzen Rappen flogen.
Frau Sara fuhr feldein, feldaus,
Die Nacht war schwarz und schwer,
Frau Sara kam nicht wieder nach Haus,
Man sah sie niemals mehr.
Nur nachts, wenn Wandrer irr und wirr
Verlorenen Weg sich suchen,
Erschreckt sie auf einmal ein schwarz Geschirr
Und ein Schnauben und Peitschen und Fluchen.