Das ist die lustige Sara, die nun
Nächtlich kutschieren muss,
Und könnte beim Ritter Limbeck ruhn
Für einen letzten Kuss.
Nun fährt sie hundert Jahre wohl noch
Querfeld, trotz Zaun und trotz Hecken.
Durch! Wie die Kutsche so groß gibt's ein Loch,
Den Bauern zum höllischen Schrecken.
Thies und Ose.
In Wenningstedt bei Karten und Korn
Erschlug einst ein Bauer in jähem Zorn
Seinen Gast. Thies Thiessen war stark,
Und der Hansen ein Stänker um jeden Quark.
Nun lag er bleich und im Blut auf dem Stroh.
Aber wo war Thies Thiessen? Wo?
Sie suchten ihn und fanden ihn nicht,
Und der Galgen machte ein langes Gesicht.
Ose, des Mörders Weib, kam in Not.
Vier Kinder wollten von ihr Brot.
Ihr Kram ging zurück. Stück für Stück
Ward verkauft, und sie suchte bei Fremden ihr Glück.
Doch stand sie in Ehren bei jedermann
Und that ihnen leid. Die Zeit verrann,
Und Thies Thiessen war und blieb
Weg, als wäre die Welt ein Sieb.
So wurden es Jahre. Auf einmal fing's
Zu tuscheln an, bis nach Rantum ging's:
Habt ihr gesehn? Schon lange. Nanu!
Meint ihr? Und sie nickten sich zu.
Sie war doch sonst ein ehrlich Weib,
Nun schreit ihre Schande das Kind im Leib.
Mit wem sie's wohl hält? Das Mannsvolk ist toll!
— Das war ein Geschwätz, alle Stuben voll.
Die fromme Ose ertrug es in Scham,
Kein Wort über ihre Lippen kam.
Nur einem fraß es am Herzen und fraß,
Bis ihm der Schmerz in den Fäusten saß.
Und eh sich's die Lästermäuler versahn,
Stand er auf: Ich hab's gethan!
Und standen alle und glotzten sehr:
Thies Thiessen? Gott sei bei uns! Woher?