Als Ruhe im Lager befohlen wurde, ging ich zu meiner Backschaft zurück. Unser Unteroffizier war nicht wieder gekommen.

Da wurde ich am andern Tag zum Gefreiten befördert. Die Knöpfe, die Gehlsen mir schenkte, nähte ich mir mit weißem Zwirn an. Schwarzer Zwirn war nicht da.

Wir lagen noch mehrere Tage an dieser Stelle. Es kamen und gingen täglich mehrere Male Patrouillen; aber keine hatte vom Feind etwas gesehen. Auch kam immer noch keine Botschaft oder Signale von der Hauptabteilung. Wir sprachen viel über unsere Lage, und meinten, der Feind werde eines Tags, von der Hauptabteilung bedrängt, mit seinen Tausenden nach Osten zu auf uns los kommen und uns überrennen, um in die Wüste durchzubrechen. Das mochte wohl ein schwerer Stand werden.

Nach einigen Tagen wurde das Wasser knapp und schlecht. Wir brachen also am Nachmittag auf. Wir marschierten mit großer Vorsicht; denn es war anzunehmen, daß der Feind, der wegen seiner großen Viehherde viel Wasser brauchte, die nächsten Wasserlöcher, die sehr reichhaltig sein sollten, innehätte und hart verteidigen würde. Einige Sektionen mußten also zu beiden Seiten ausschwärmen und geduckt zwischen den Büschen vorschleichen, das Gewehr in beiden Händen bereit. Dazu wurde auch ich kommandiert.

Da unser Haupttrupp auf dem hindernislosen Weg rasch vorwärts kam, hatten wir, die wir immer vorn zur Seite sein mußten, tüchtig zu laufen, zu schleichen, zu bücken, zu springen, immer Fühlung zu halten. So ging es durch sieben Stunden. Als ich abgelöst wurde, war ich todmüde, meine Stiefel, die schon seit vierzehn Tagen vorn zerrissen waren, hatten lose Sohlen. Meine Füße waren wund. Im Weitermarschieren band ich mir die Sohlen mit Riemen aus frischer Ochsenhaut und zog mir starke Dornen aus Händen und Armen.

Wir gingen bis in die tiefe Nacht hinein, die besonders dunkel war. Mitten in der Nacht kam von der Spitze her plötzlich Befehl, Halt zu machen und aufzurücken. Auch die Wagen fuhren in großer Eile auf und zusammen. Im Viereck knieten wir um sie, das Gesicht nach draußen, das Gewehr bereit. Wir meinten, nun käme der Ansturm. Wir gierten alle danach. Aber es kam nichts, und bald hieß es: »Gewehre zusammenstellen und Decken empfangen!« Da stellten wir Posten auf und lagerten dort die Nacht.

Früh am andern Morgen zogen wir unbehindert weiter und kamen gegen Mittag an die Wasserstelle. Es war ein ziemlich großes, von kalkiger Erde weißliches Feld; in mehreren tiefen Löchern war ziemlich viel gutes Wasser. Da lagerten wir.

Am andern Morgen zog unsere Kompanie aus, um die Stelle zu suchen, an der unsere große Patrouille gefochten hatte und zur Hälfte vernichtet war. Nach einem langen, beschwerlichen Marsch durch dichten Busch, an mehreren flachen Teichen vorbei, die gutes Wasser hatten, sahen wir über dem Buschfeld gegen Mittag unendlich viele Geier und Adler in der Luft schweben und auf Bäumen sitzen. Wir gingen darauf zu, und kamen an eine lichte Stelle, die am andern Ende eine kleine buschig werdende Anhöhe sanft hinauf lief, auf welcher, schon im Busch ziemlich versteckt, verlassene Hütten der Feinde standen. An dieser Anhöhe, vor den Hütten des Feindes, lagen viele Leichen der Unserigen im hohen, dürren Gras, nackt, verstümmelt und zerfressen. Viele von uns waren still; andere knirschten mit den Zähnen und ballten die Hände und fluchten; andere spotteten und sagten: »Wie lange wird es dauern, dann liegen wir auch so. Dann haben wir keine Not mehr.«

Wir stellten Wachen rund um uns in den Busch und fingen an, die andern Toten zu suchen, besonders die, welche in den Busch ausgeschwärmt und dort gefallen waren, und fanden sie alle. Da gruben etliche Gräber, andere flochten aus dem dürren Gras Kränze, andere machten aus Holzstücken Kreuze, andere kappten mit ihren Messern und Seitengewehren die hornharten Dornbüsche. Dann legten wir die Toten in ihre Gräber, schaufelten sie zu und legten die abgehauenen dornigen Äste als einen Verhau darüber, damit die wilden Tiere und Menschen sie in Ruhe ließen, und zogen wieder nach dem Lager.