Der Bayer hatte wieder nach der Lampe gegriffen und wollte das Empfangene weitergeben. Er redete leise bei sich selbst, sank in sich zusammen und stellte sich dann wieder stramm –: da hörten wir unter uns aus dem Busch her Pferdeschnauben und gleich darauf die helle Stimme eines Offiziers. Da kletterte ich eilig hinunter und stand und hörte, wie der Offizier fragte, was hier los wäre, da wäre so eine verrückte Meldung gekommen. – Da trat ich vor und nannte mich: Gefreiter Moor, und woher ich käme und daß der Bayer oben krank und nicht ganz mehr bei Sinnen wäre, und daß ich Kameraden und Pferd verloren hätte. Und ich möchte wieder zu meiner Abteilung.

Er schickte einen Mann den Hügel hinauf und sagte, es wäre nicht nötig, daß ich den gefährlichen Ritt jetzt sofort machte; denn sie hätten jetzt wieder Signalverbindung mit dem Hauptquartier. Ich aber sagte: »Ich habe meine Kameraden verloren und muß melden, wie es gekommen ist.«

Er hatte wohl Mitleid mit mir und sagte: »Wir haben einen überzähligen Gaul bei uns. Schön ist er nicht; aber wenn Sie gern hinüber wollen, sollen Sie ihn haben.« Er ging noch selbst mit mir zu dem Pferd und ich glaube, daß er mir ein besseres gab; denn ich hörte, wie er leise zu dem Unteroffizier sagte: »Er hat sieben Stunden zu reiten und reitet allein.« Er sah auch selbst nach dem Sattelzeug, fragte mich, ob ich gedienter Kavallerist wäre, zog am Gurt und sagte: »Nach drei Stunden müssen Sie den Gurt anspannen,« und zeigte mir den Proviant für mich und das Pferd in der Satteltasche. Dann rief er nach dem Hügel hinauf: »Wo steht das Hauptquartier?« Die deuteten mit der Hand. Er zeigte mir noch am Kreuz, das klar am Himmel stand, die Richtung und empfahl mir, gradeaus zu reiten bis ich an die große Pad käme, und ließ mich ziehen.

Auf diesem Ritt, der zehn Stunden dauerte, begegnete mir keinerlei Unfall. Ich erreichte todmüde den Weg, den meine Abteilung zog, und zwar an der Wasserstelle, an der ich sie vorgestern verlassen hatte, trank und tränkte auch mein Pferd und ritt dann den Weg hinauf, den sie heute und gestern gezogen waren. Es lagen viele tote und sterbende Tiere an dem Weg. An der nächsten Wasserstelle traf ich die Abteilung rastend.

Ich meldete mich und berichtete und ging dann nach meiner Backschaft und setzte mich auf die Erde, und schlief sechs Stunden wie ein Toter. Sie sagten nachher, sie hätten mich mit Fragen überstürmt; ich hätte sie auch angesehen; aber ich hätte kein Wort gesagt, sondern wäre hingefallen und hätte geschlafen.

An diesem Abend war ein eifriges Leben im Lager. Jeder war betriebsam. Der eine sah sein Gewehr nach; der andere füllte sorgfältig seinen Patronengurt; der dritte sorgte um sein Pferd; der vierte und fünfte lag auf der Erde und schrieb einen Gruß nach Hause. Als wir uns zum Schlafen um unser Kochloch in den Sand legten, sagte der Freiwillige, der zehn Jahre älter war als wir: »Na, Jungs, nun betet noch ein Vaterunser. Wer weiß, ob Ihr es morgen abend könnt.«

Feuer brannte in dieser Nacht nicht.