XVI

Es gab in den vier Tagen, die wir noch in diesem Lager blieben, dreimal am Tag Fleisch von schlappen Ochsen und Reis; andre Lebensmittel waren nicht da. Wasser war zwar genug vorhanden, da aber der Feind wochenlang und in Massen, samt seinen großen Viehherden, um diese Wasserlöcher gehaust hatte, waren sie ganz verschmutzt. So kam es, daß in wenigen Tagen der zehnte Mann an der Ruhr erkrankte. Ich blieb leidlich gesund; aber als ich unter einem Busch ein wenig Gras für mein verhungerndes Pferd suchte, bekam ich einen Dornstich in die Hand, die schnell anschwoll und einige Tage schlimm aussah. Es war offenbar die ganze Gegend verpestet: Wasser, Erde, Busch und Luft.

Dann kam die Nachricht, daß der Feind nach Überwindung und Umgehung der großen Durststrecke, auf der Tausende von ihm umgekommen waren, weit im Osten, am jenseitigen Rand des Sandfeldes, an kümmerlichen Wasserstellen säße. Da beschloß der General, ihm dorthin zu folgen, ihn anzugreifen und zu zwingen, nordostwärts in den Durst und in den Tod zu gehn, damit die Kolonie für alle Zeit vor ihm Ruhe und Frieden hätte.

So zogen wir nun also in gewohnter Weise mit einem ungeheuren Troß von Ochsenreihen, Kapwagen, Karren und Treibern, die unsre Verpflegung in die Einöde schleppten, nach Osten zu in die weite Steppe, die kein Weißer vor uns betreten hatte; man wußte nur von ihr, daß sie sehr wasserarm war. Unterwegs stieß ein großer Transport frischer Pferde zu uns, so daß wir wieder alle beritten waren. Es war das vierte Pferd, auf dessen Rücken ich mich setzte; der Leutnant, der viele und weite Patrouillen geritten hatte, stieg auf das sechste. Wir waren in unsrer Abteilung vierhundert Mann.

Der Sand war tief und die Sonne sengte. Und nachts, auf der Erde, den Kopf auf dem zusammengedrückten Hut oder auf dem Sattel, gab es einen kurzen Schlaf; die Sterne schienen klar und ein eisiger Wind wehte. Die Kost war eintönig und dürftig. Aus den verseuchten Wasserlöchern des Lagers hatte sich mancher den Typhus getrunken, der brach nun aus. Auf dem geschüttelten, harten Wagenbrett mußte der Kranke tagelang zurückfahren, bis er an ein Feldlazarett kam; da lag er ohne Stärkung und ohne Kühlung und ohne Reinlichkeit wochenlang auf dürftigem Graslager. Je weiter wir in die Steppe hineinkamen, desto lästiger wurden ziemlich große Fliegen, die um diese Jahreszeit aufkamen; sie waren so gierig, daß wir sie mit den Fingerspitzen aus Augen und Mundwinkeln holen mußten. Daß sie in unsrer Suppe schwammen, kümmerte uns schon lange nicht mehr. In der zweiten, dritten Woche fingen die neuen Pferde schon wieder an, schwach zu werden; bald blieb das eine und das andre am Wege liegen. Die Ochsen wurden bei den weiten Märschen und der dürftigen Weide schlapp und schlapper. Kleider, Stiefel und Sattelzeug wurde wieder rissig und schmutzig; wir sahen aus, als hätten wir uns im Staub gewälzt.

Als wir drei Wochen marschiert hatten und wir die Gegend erreichten, wo der Feind sitzen sollte, zeigte es sich, daß er noch weiter nach Osten gezogen war und an den allerletzten dürftigen Wasserstellen saß. Da mußten wir weiter hinterher. Abends sahen wir hier und da nach Osten hin Grasbrände, die er angemacht hatte, und die Feuer einzelner seiner Horden, die sich von der Hauptmasse lösten und nach Westen hin, der alten Heimat zu, durchzubrechen suchten, um dem grausen Dursttode zu entgehn. Es wurden Patrouillen ausgeschickt, daß sie nicht durchkamen, damit sie nicht in der Heimat einen ewigen Kleinkrieg mit uns führten.

In der vierten Woche kam ich endlich einmal wieder aus dem Kompanieverband heraus. Mit einer Patrouille von zwanzig Mann, die ein Leutnant führte, ritten wir aus dem Nachtlager nach Norden, um die Gegend zu erkunden, von der es Karten nicht gab, besonders um etwa eine gute Wasserstelle zu finden. Es waren in der Gegend zwar viele Wasserstellen; aber von dreien waren immer zwei vertrocknet, und die dritte gab erbärmlich wenig Wasser. Der gewesene Offizier, den ich den Gebannten nannte, ritt auch mit.