Heriman setzte sich auf einen Schemel und neigte betäubt das Haupt. Aber gleich darauf erhob er sich. »Ihr fordert, daß ich heute meine Schuld bezahle? Ihr sollt euch in mir nicht geirrt haben, was mir auch darum geschehe. Doch bevor ich euch meinen guten Willen erweise, frage ich: ist es nötig, daß ihr im Frieden der Stadt wagt, was ihr tun wollt?«
»Sie kommt mit reisigem Gefolge ihres Vaters und des Erzbischofs. Ganz unsicher wäre das Gelingen bei einem Speerkampf auf offener Heide.«
»Dann also muß es hier sein. Sie rastet heute nacht im Hessenhofe, wo ihr Vater immer einliegt, ein Reisiger hat die Ankunft gemeldet. Morgen reitet der große Erzbischof in unsere Stadt, er selbst soll sie nach dem Willen des Königs den frommen Müttern zuführen. Noch andere Neuigkeit weiß ich: morgen früh wird die Heerfahne des Königs auf seiner Burg ausgesteckt und die Boten werden durch das Land rennen, den großen Kriegszug nach dem Land Italien anzusagen. Denn der König will sich dort die Lombardenkrone holen. Das geht euch an, wie uns alle.«
»Dieser Abend aber gehört noch mir,« versetzte Immo finster.
»Die Burgmannen sind in Bewegung wegen der Kriegsreise, heute abend werden die Straßen und Schenken gefüllt sein. Das mag euch frommen oder auch hindern. Wollt ihr eure Hand um die goldene Spindel legen, die euch im fremden Hause gehört, so müßt ihr sie nicht nur aus dem Hause holen, auch sicher aus Tor und Mauer schaffen. Die Erfurter aber halten an ihren Toren gute Wache und fordern Zoll von jeder Ware, die aus- und eingeht.«
»Kannst du mir helfen, was mein ist, aus dem Hause zu schaffen, so trage ich's mit meinen Schwurgenossen unter den Schilden durch das Tor.«
Heriman schüttelte den Kopf. »Kommt ihr mit einem Haufen, so findet ihr hier einen größeren, und bringt ihr ein ganzes Heer, so werfen euch meine Mitbürger Speer und Axt, den Sturmgesang vom Turme und ihre Lärmhörner entgegen.«
»Nicht mit einem Heerhaufen gedenke ich auszubrechen. Nur sieben haben ihr Leben für die Tat gelobt und zwei davon stehen vor dir.«
»Und ihr wollt, daß ich der achte sei?« frug Heriman, »reicht das Kreuz eures Schwertes, ich bin bereit.«