»Sie preisen ihn auch als einen Helden, Herrin, denn keiner kommt im Kampfe gegen ihn auf, und die kleinen Spielleute erzählen, daß er mit dem Speer sicherer als ein anderer auf die Stelle trifft, nach der er wirft. Jedermann wundert sich, wo er im Kloster so Schweres gelernt hat.«
»Er war schon als Knabe geschickt in aller Reiterkunst,« versetzte Edith, »und sein Vater staunte selbst darüber. Ich sorge, auch im Kloster hat er mehr an Holz und Eisen gedacht, als an die Bücher.«
»Dennoch, Herrin, versteht er ganz gut das Lateinische, obgleich er selbst sein Wissen nicht rühmt; und er weiß so geschickt mit Sprüchen und Versen zu antworten, daß es eine Wonne ist, ihn anzuhören.«
»Du warst auch in der Schule und verstehst das Latein?« frug Edith. »Das war es, was ihm gefiel, ich dachte sonst, die heilige Sprache hilft nur dazu, den Glauben vertraulich zu machen, ich merke aber, sie verlockt auch Männer und Frauen zueinander.«
»Du sagst die Wahrheit, Herrin. Denn die in der Schule waren, verstehen einander leicht unter fremden Leuten. Damals, als ich ihn zuerst sah, wurde mir weh ums Herz, weil er mir gestand, daß er ungern im Kloster weilte. Aber später kam mir ganz andere Sorge.« Sie hielt an und sah vor sich nieder. »Denn als ich ihn im Kriegskleide wiedersah und erkannte, daß er dereinst mein Herr werden sollte, da erschrak ich über den schweren Gedanken. Und ich saß im Sonnenuntergang auf dem Idisberge, bis die Nacht heraufstieg; und als der Nachtwind in den Zweigen rauschte, hörte ich immerdar seine Stimme und daneben eine andere, als wenn ich selbst mit ihm redete, aber fern und leise wie oben aus dem Wipfel des Baumes, und die eine Stimme sprach: Selig war ich, Held, denn ich habe deine Liebe gefunden, und jetzt zittre ich, dich zu verlieren. Und die andere Stimme antwortete: Ruhm ersehne ich, und schrecklich will ich meinen Feinden werden, gedenkst du das Weib eines Helden zu sein, so darfst du nicht vor dem Tode beben. Wenn zwei einander lieb haben, sollen sie auch beten, daß sie miteinander sterben. Da merkte ich, Herrin, was es bedeutet, einen Mann im Herzen zu tragen. Mein Geschlecht habe ich verlassen um seinetwillen,« unterbrach sie sich selbst, »und jetzt ist er nicht hier, ich aber gehöre zu ihm, wo er auch weilen mag.«
»Allzu ungeduldig bist du, an seinem Hals zu hangen,« versetzte Edith finster. »Verwundet ward er in jener Nacht.«
»Die Brüder sagten mir's,« antwortete Hildegard leise, »an sein Lager will ich, und fühlst du Erbarmen mit meiner Not, so sage mir, wo ich ihn finde.«
»Auch der Mutter bergen sie die Stätte,« rief Edith. »Meinst du, mich quält es weniger als dich, daß er unter Fremden liegt in traurigem Versteck?«
Hildegard sprang auf. »Wenn du ihn liebst, so komm mit mir aus diesen Mauern; wir hüllen uns in niederes Gewand und suchen ihn, bis wir ihn finden. Denn der treue Mann, der ihn im Heereszug begleitete, weiß es, wo er weilt.«
»Eitel ist dein Wunsch,« antwortete Edith, »wenn wir diese Burg verlassen, so würden wir ihn eher verraten als retten. Denn wisse, Jungfrau, der König naht mit seinem Heergefolge in feindlichem Willen, um den Raub zu rächen. Meinen Sohn, seine Brüder und uns alle auf dieser Burg bedroht des Königs Zorn.«