»Daß ich der älteste unter euch bin,« versetzte Immo sich hoch im Sattel aufrichtend, »das will ich euch, ihr zuchtlosen Knaben, bewähren durch meine Lehre, die ihr mit Achtung hören mögt, und durch die Faust, mit der ich die Ungehorsamen strafe.« Sein Roß setzte im Sprunge zwischen die Schreier und so gebieterisch war seine Haltung, daß die Jüngeren verstummten.

»Du irrst, Immo,« begann Odo, »nicht du bist der erste im Hofe und auf unserer Flur, und nicht dir kommt es zu, die Knaben zu ziehen, sondern mir. Denn ich bin, da der Oheim uns verfeindet ist, der älteste des Geschlechts, welcher ein Schwert trägt und auf Heldenwerk denkt, du aber wirst ein betender Pfaffe.«

»Ob ich dereinst ein geistliches Gewand tragen werde oder nicht, jetzt führe ich mein Schwert wie ihr, und die Ehre des Ältesten fordere ich als mein Recht, das nicht du und kein anderer mir nehmen soll.«

»Nicht die Jahre allein zählen wir, auch die Taten des Mannes,« antwortete Odo. »Während du auf der Schülerbank saßest, zog ich mit deinen Brüdern zum Kampf. Viermal hielt ich die Schildfessel im Grenzkriege gegen die Slawen, auch deine jüngeren Brüder sind mehr als einmal auf die Kampfheide geritten. Wo sind die Heldentaten, deren du dich rühmen kannst?«

»Ihr sahet zu, wenn Häuser brannten und Weiber in der Not ihre Arme hoben. Wenig vermag ich eure Kriegstaten zu loben,« rief Immo. »Fahret dahin auf eurem Wege, ich finde den meinen allein.« Er wendete zornig sein Roß und ritt seitwärts über die Flur.

Als Immo in beschwertem Mute dahin fuhr, hörte er aus der Ferne kunstvollen Peitschenknall, einen Gruß, den er wohl kannte. Er sprengte über das Brachfeld zu dem Acker, den Brunico, der Bruder des Mönches Rigbert, mit den Ochsen des Vaters pflügte. Der junge Landmann hielt an, Immo streckte schon von weitem die Hand aus, den Jugendgespielen zu begrüßen. »Denkst du der Reden,« sprach Immo, »die wir einst in unserm Hofe tauschten; daß wir miteinander im Eisenhemd reiten wollten?«

Brunico nickte. »Langsam wandeln die Ochsen und langweilig dünkt mich die Schollen zu treten.«

»Ich komme dich mahnen, ob du mit mir zum Heere des Königs ziehen willst als mein vertrauter Mann, der sich mir für die Schwertreise gelobt.«

Die Augen Brunicos glänzten. »Wenn der König und der Markgraf nur noch ein Jahr warten wollten, bevor sie aufeinander losschlagen, so wäre das besser wegen des Hengstes, auf dem ich dich begleiten will. Denn das Roß ist noch jung für die Kriegsfahrt. Ich selber bin meines Vaters Sohn und sitze an seiner Bank. Und wenn ich auch etwas tun will, so bin ich doch der Worte nicht mächtig, um den Alten zu bereden; das mußt du wagen. Und dann gibt es noch jemanden, den ich gern darum früge.«