Der König nickte. »Du hast alles treulich berichtet. Sorge, Gundomar, daß Kundschafter ihn begleiten, die mit den Waldwegen Bescheid wissen.« Er winkte Entlassung, aber Brunico stand unbeweglich und glättete aufs neue an seinem Eisenhut. »Was begehrst du noch?« frug der König.

Brunico überlegte. »Auch gibt es noch eine Geschichte von einem Bündel, welches mir Heriman für den Herrn König anvertraut hat.«

Heinrich sprang auf und packte den Arm des Thürings. »Wo ist die Botschaft, wo ist das Bündel?«

Brunico sah den König gekränkt an. »Behalten will ich's nicht.« Er wandte sich vom König ab und arbeitete mit den Händen längere Zeit innerhalb seines Panzerhemdes, endlich brachte er eine kleine Ledertasche heraus. »Sie soll für den Herrn König, aber mein Gespiele weiß noch nichts davon,« sagte er und sah zweifelnd auf die Tasche.

Heinrich riß sie ihm aus der Hand, öffnete und rief Gundomar zu: »Die Briefe sind es aus Magdeburg und dem Sachsenland, lange ersehnt und glücklich geborgen. So ist doch unsere Fahrt gelungen und auch du hast die Stöße nicht vergebens erhalten. Laß mich allein und diesen nimm mit dir, er hat guten Botenlohn verdient.«

Als die Nacht über dem Heerlager heraufstieg, Männer und Rosse ermüdet schliefen und die Lagerfeuer niedrig brannten, sah man noch immer im Zelt des Königs das brennende Licht und Schatten seiner Boten, welche herzu und hinaus eilten.


7.
Vor der Festung.

Im Ringe um das Königszelt wachten die Bogenschützen Immos; denn der König hatte, um die kleine Schar zu ehren, ihr neben seinen Bayern den Schutz des eigenen Leibes anvertraut. Zwei von ihnen hielten die Speerwache am Eingang des Zeltes, die andern saßen nach altem Brauch, den Bogen in der Hand, den Pfeil an der Senne, in weitem Kreise umher und wechselten nur kurze Worte mit gedämpfter Stimme. Immo stand nahe dem Zelt und schaute mit lebhaftem Anteil in das Tal vor seinen Füßen, auf die Mauern und Türme der großen Feste, von welcher das Banner des Babenbergers trotzig gegen das Königszelt wehte. Der Mauerring war vor alter Zeit durch Sorben oder Böhmen im verwüsteten Grenzland errichtet worden, und die Babenberger hatten ihn mit ihrer besten Kunst erhöht, so daß er jetzt die stärkste von allen Burgen des Markgrafen war. Darum hatte dieser seine Gemahlin, seine Kinder und Schätze darin geborgen, viele seiner besten Helden hineingesetzt und seinen eigenen Bruder als Befehlshaber. Gegen die Burg war der König wie ein Sturmwind hereingebrochen und hielt sie mit eisernem Griff umklammert. Seine Heerhaufen lagen unter ihren Bannern rings um den Bach, der in seinen Armen die Festung einschloß, die Hütten und Zelte füllten den Talrand und zogen sich an den Hügeln hinauf. Lange Züge von Gespannen führten Fichtenstämme aus den Wäldern heran, und Scharen von Zimmerleuten fügten das Holz zu hohen Türmen, von denen die Bogenschützen gegen die Verteidiger der Mauer kämpfen sollten. Hier und da ragte ein Sturmbock aus dem Haufen der Arbeiter, das Holzgerüst, in welchem an starker Kette ein mächtiger Baumstamm hing, der von hinten nach vorn geschwungen, auch festen Mauern das Gefüge zerbrach. Von allen Seiten scholl kriegerisches Getöse zu dem Schlag der Äxte und Hämmer. Hornruf trieb die Arbeiter zum gleichzeitigen Heben der Lasten und einzelne Heerhaufen zum Ausschwärmen oder zum Rückzug. Längs dem Wasser lagen hinter Holzschirmen oder in der Deckung, welche der Boden gab, behende Bogenschützen, welche ihre Pfeile nach jedem Haupt und Arm richteten, die sich über die Mauerbrüstung erhoben. Gegen die Schützen fuhren von oben geschleuderte Speere und Steine, zuweilen, wenn ein größerer Haufe näher herandrang, flog ein spitzer Baumpfahl oder ein Felsstück aus der Standschleuder des Turmes. Dann erscholl ein heller Warnungsruf und der Haufe stob auseinander, doch wer getroffen wurde, blieb zerschlagen am Boden.