Immo trat schnell zurück und grüßte den Speer senkend, als der große Erzbischof Willigis von Mainz, der mächtigste Herr nach dem Könige, begleitet vom Kanzler, aus dem Zelte trat. »Oft sah ich Helden in der Blüte des Lebens niedergemäht vom Schwert der Feinde oder durch den Willen der Könige,« begann der Erzbischof, »und mir scheint, wer sich am herrlichsten erhebt, den wirft sein Geschick am tiefsten. Dennoch traure ich über den Fall des Ernst von Östreich, denn gleich einem wonnigen Frühlingstag erschien sein Leben dem Volke. Aber der König fühlt kein Erbarmen.«
»Ihr kennt ja selbst unsern Herrn, ehrwürdiger Vater,« versetzte der Kanzler, »er ist mild, wenn er vertraut, aber wo er sich rächt, begehrt er die Vernichtung.«
Der Erzbischof mahnte seinen Begleiter durch einen Blick auf Immo, zu schweigen, der Kanzler wandte sich grüßend an den Jüngling. »Du siehst, Held Immo, daß der Brief deines Abtes dir eine gute Stätte bereitet hat, ich freue mich, daß der König gegen dich huldvoll gesinnt ist. Auch ich habe wohl Günstiges zu ihm gesprochen, und wenn du eine Gelegenheit findest, mir gute Dienste zu tun, so hoffe ich, du wirst es an dir nicht fehlen lassen.«
Das Zelt öffnete sich wieder, von Gundomar und Wächtern begleitet trat Graf Ernst in das Freie. Er hatte sein Todesurteil empfangen, aber er trug sein Haupt hoch und grüßte mit würdiger Haltung die geistlichen Herren. Da begegnete sein Auge dem Blick Immos, welcher ihn mit Bewunderung und Trauer betrachtete, schnell trat er auf ihn zu und begann: »Ich kenne dich wohl, Held, dein Schwertschlag war es, der mir die Kraft lähmte, wo ich ihrer am meisten bedurft hätte, und du bist es, der mein Haupt unter das Urteil eines strengen Richters gebeugt hat. Aber willig rühme ich heut, daß du mannhaft gegen mich gestanden hast. Es war ehrlicher Kampf, ohne Groll scheide ich auch von dir.« Und er bot ihm die Hand.
Immo hielt die Hand fest und antwortete bewegt: »Oft, wenn ich von euren ruhmvollen Taten vernahm, dachte ich, daß es mein größtes Glück sein werde, dereinst im Schwertkampf an eurer Seite zu stehen. Jetzt rührt es mein Herz, daß es diese Waffe war, die euch im letzten Kampfe traf, und willig wollte ich die teure Ehre dahingeben, wenn ich euch dadurch retten könnte.«
»Hilfe für mich ist nur noch beim Himmelsherrn,« versetzte der Graf mit einem Blick auf den Erzbischof, »dir aber mögen die Heiligen besseres Erdenglück zuteilen als ich empfing.« Mit gehaltenem Gruß wendete er sich ab.
Gundomar aber begann unfreundlich gegen Immo: »Dem Helden stand wohl an, dich mit Worten zu ehren, dir aber rate ich zu bedenken, daß ein günstiger Schwertschlag noch keinen zum Helden gemacht hat.«
»Ich traf so gut ich vermochte und denke dasselbe gegen jeden zu tun, der mir feindlich entgegentritt,« entgegnete Immo.
»Auch der Grashalm steigt üppig empor, wenn ihn die warme Sonne bescheint, der erste Wetterregen schlägt ihn zu Boden,« spottete Gundomar.
»Nicht eure Freundschaft hob mich empor, als ich auf dem Boden lag,« versetzte Immo.