Als die beiden Helden einander gegenüberstanden, mit blitzenden Augen und geröteten Wangen, da sahen die Anwesenden mit Staunen, wie gleich sie einander in Antlitz und Gebärde waren, beide hochragende Gestalten mit breiter Stirne und starken Augenbrauen, mit gewölbter Brust und starken Gliedern; voller und heller ringelte sich das Haar Immos, in den dunkleren Locken Gundomars schimmerten einzelne Silberfäden, aber an Haltung und Gebärde glichen sie einander wie Brüder, ähnlich klang sogar der Ton ihrer Stimme.

»Verzeiht, ehrwürdiger Vater,« wandte sich Gundomar zum Erzbischof, »daß leerer Wortwechsel in eurer Gegenwart laut wurde. Mir ist das Gemüt beschwert durch das Los eines edlen Waffengefährten.«

»Leicht eifern die Helden gegeneinander,« versetzte der Erzbischof rücksichtsvoll, »auch wenn sie von einem Geschlechte sind. Bei der Not des einen denkt der andere doch, was seiner Ehre geziemt.«

Während Immo den abwärts Schreitenden finster nachblickte, sah er vor sich zwei Zeigefinger übers Kreuz gelegt und hörte nahe an seinem Ohr die fragenden Worte: »Es tu scolaris?« Dies war der vertrauliche Gruß, woran die lateinischen Schüler im Lande einander erkannten, und der ihn so grüßte, war der König. Ehrerbietig trat er zurück und neigte die Waffe. »Ich höre, dein Oheim sähe dich lieber im Kloster als im Heerlager.«

»Ich bin ihm verleidet,« antwortete Immo, »und ich sorge, daß sein übler Wille mir die Huld des Herrn Königs mindere.«

»Das besorge nicht,« versetzte Heinrich trocken. »Zudem magst du wissen, daß Held Gundomar seine Feinde lieber ins Antlitz schlägt als hinterrücks angreift; und soll ich dir Gutes raten, so meide seine Nähe, wenn er die Brauen grimmig zusammenzieht, wie er manchmal tut. Doch ein anderer Held hat dir, wie ich vernahm, besseres Lob gespendet.« Er wies nach dem Wege, auf welchem Graf Ernst zwischen den Wächtern ging. »Gräme dich nicht, daß du den Spielleuten ihren Helden genommen hast; denn er ist einer von den Recken, welche durch das Lied müßiger Gesellen gefeiert werden, selten aber durch das Lob bedächtiger Männer. Sie werfen ihren Handschuh hierhin und dorthin und kämpfen wie Bären um eine hohle Nuß, unbekümmert, ob Land und Leute darüber zugrunde gehen. Darum gleicht auch ihr Ruhm der lodernden Schindel, welche beim Hausbrande fliegt, wie gerade der Wind sie treibt, bis sie am Boden flackert und in Finsternis verlöscht.«

»Verzeiht, Herr,« versetzte Immo demütig, »wer unter dem Helme reitet, wie mag der den Stolz auf große Taten entbehren?«

»Der Weise aber nennt eine Tat nicht darum groß, weil sie mit schwerer Lanze und starkem Arm vollbracht wird, sondern weil sie großen Nutzen bereitet. Vieles, was leise ins Ohr geraunt wurde, schuf besseren Segen, als der wildeste Sprung über die Heide.«