»Dennoch verzeihe mir der König, wenn ich sage, wenige werden freudig das Schwert schwingen und in den Feind reiten, wenn ihnen nicht die Ehre, die sie gewinnen, der liebste Schatz auf Erden sein darf.«
»Du denkst ganz wie die Laien,« schalt der König, »ich traute dir bessere Einsicht zu. Da du im Kloster warst, solltest du gelernt haben, daß es höhere Siege gibt, als mit Schild und Schwert, indem man die Seelen der Helden und der anderen begehrlichen Menschen bezwingt, damit man ein Herr wird über sie.«
»Das ist das Amt des Königs,« antwortete Immo. »Ich habe gehört, daß der große Kaiser Karl, der König Etzel und andere gewaltige Herren, von denen die Sage kündet, sich ausdachten, was ihnen nützen könnte, und dann ihre Helden sandten, damit sie es vollbrächten, zu dem einen Werk die Klugen, zu dem andern die Starken; und daß sie jeden zu gebrauchen wußten, wozu er diente. Ich aber bin nur einer, der dem König mit seinem Schwerte dienen will. Und ich begehre die Ehre eines Helden, welche mir gebietet, meine Genossen lieb zu haben und mich an meinen Feinden blutig zu rächen. Ob die Rache auch zum Amt eines Königs gehört, das weiß ich nicht.«
Heinrich sah ihn mit großen Augen an. »Immo, tu es scolaris. Du bist weit schlauer, als ich dachte. Was willst du mir zu verstehen geben? Fahre fort.«
»Herr,« sprach Immo kühn, »als ich den Grafen Ernst abwärts führen sah, da fiel mir aufs Herz, ein hochgesinnter Held wie dieser vermöchte dem König wohl noch seine Treue durch gute Dienste zu erweisen. Denn sie sagen, daß er nur deshalb in Empörung und Unglück gekommen ist, weil er dem Hezilo als Anverwandter die Treue gehalten hat.«
»Dem König aber hat er die Treue gebrochen,« rief Heinrich.
»In Zukunft könnte er wohl dem König allein nützen, denn des Königs Würde versteht, wie man die Seelen der Helden und der anderen begehrlichen Menschen zwingt, damit sie gehorsam dienen.«
»Hat St. Wigbert dir so gut die Zunge gelöst,« frug der König, »daß du sie gegen mich für einen Verräter zu gebrauchen wagst?«
Immo beugte das Knie. »Mit dem Schülergruß wurde ich angerufen; habe ich zu dreist gesprochen, so möge die Gnade des Königs mir verzeihen.«
Der König nickte. »Du hast recht und ich werde mich hüten, dir noch einmal das Fingerkreuz zu zeigen, damit du mir nicht wieder eine Lektion hersagst.« Und als Immo ihn bittend ansah, fuhr er mit Königsmiene fort: »Sei ruhig, Hauptmann, ich zürne dir nicht.«