Als der Kampf vorüber war und Immo mit glühendem Antlitz sein schäumendes Roß zur Ruhe zwang, ritt Herzog Bernhard zu ihm und ihn vor allem Heere küssend, rief er: »Heute habe ich dich erkannt, wie du bist; die alte Treue zwischen Sachsen und Thüringen ist aufs neue bewährt, mir und meinen Helden bist du fortan ein Waffenbruder und ein lieber Genosse, so oft du es begehrst.« Und auch König Heinrich nickte dem glücklichen Immo mit freundlichem Lächeln zu, als er die Reihen der Krieger entlang ritt.

Seit diesem Morgen wurde das Lager des Königs täglich beunruhigt, bald hier, bald dort suchte der Feind überraschend einzudringen; die leichten böhmischen Reiter, welche ihm zugezogen waren, warfen sich auf ihren behenden Pferden überall, wo der Boden die Annäherung begünstigte, gegen die Königsmannen; jeder Haufe, welcher Futter und Vieh aus der Umgegend herbeitreiben sollte, mußte die plötzlich auftauchenden Scharen des Markgrafen abwehren. Dieser aber fand in den Wäldern und Seitentälern der heimischen Landschaft sicheren Versteck. Auch die Belagerten rührten sich kräftig. Da sie von den hohen Türmen der Feste weit in das Land schauten, so drangen sie zu derselben Zeit, wo die Haufen des Markgrafen gegen die Belagerer ritten, mit ihrem Fußvolk aus den Toren, verbrannten ein Turmgerüst, welches gegen sie aufgerichtet war, warfen die Sturmböcke und führten die Ketten als Siegeszeichen nach der Stadt.

Der König hielt beharrlich die Festung umschlossen, noch war er der Stärkere, aber er wußte wohl, daß die beste Hilfe, auf welche er zählen durfte, um ihn gesammelt war, während der Widerstand des Markgrafen die Unzufriedenen in allen Teilen des Reiches ermutigte und das kleine Heer des Feindes sich mit jedem Tage vergrößerte, nicht nur durch böhmische Reiter, auch durch Banner aus dem Norden. Deshalb ritten die Königsboten, meist geistliche Herren, nach allen Richtungen aus dem Lager, um den Zorn der Mißvergnügten durch Verheißungen zu stillen und die Verstärkung des Feindes zu hindern. Aber es wurde den Gesandten des Königs bereits schwer, durch die Reiter des Hezilo ins Freie zu dringen.

An einem Abend, wo Immo mit seinen Knaben wieder die Königswache hielt, trat Herzog Bernhard zu ihm und begann vertraulich: »Der Markgraf kämpft gegen uns wie das Hündlein gegen den Igel, er springt bellend um uns herum, zuletzt versetzt er uns doch einen Biß ins Weiche. Es macht Sorge, das Heer zu ernähren und sorgenvoll wird auch der Lagerdienst.« Er wies nach dem Felde, wo an Stelle der Wachen zahlreiche gepanzerte Reiter in weiterer Entfernung aufgestellt waren. »Der König läßt unablässig nach dem Versteck des Markgrafen spähen, aber keinem unserer Läufer ist es gelungen, die Stelle zu erkunden. Vergebens hat der König auch nach fahrenden Leuten umhergefragt, dies ruhmlose Volk ist verschwunden, wurde einer auf dem Felde ergriffen, so schwieg er oder log, obgleich der Büttel ihn hart ängstigte.«

»Dennoch sage ich dir, weder die Babenberger, noch wir andern haben geahnt, welch ein Kriegsherr König Heinrich ist, denn mit Weisheit erwägt er selbst Großes und Kleines.«

Während der Herzog sprach, sprang Harald, der erste Heerrufer, aus dem Zelt des Königs und eilte den Hügel hinab, ihm folgten seine Genossen, sich schnell durch das Lager verteilend. »Sieh dorthin, Held Immo, der König ist müde, still zu kauern und er denkt selbst einen Sprung zu tun.«

Am nächsten Morgen zogen beim ersten Hahnenschrei die reisigen Scharen des Königs von allen Seiten ins Freie, geräuschlos, in kleinen Haufen, ohne Feldzeichen, um sich außer Gesichtsweite der Festung zum Heere zu vereinigen. Dem König war gelungen, das schwer zugängliche Tal zu erkunden, in welchem der Markgraf sein Lager aufgeschlagen hatte. Zugleich rüsteten die Bogenschützen und die übrigen Haufen der Fußkämpfer einen Angriff gegen die Feste, ihnen hatte der König geboten: »Haltet gute Wache, indem ihr mit dem Ansturm droht und auf die Verteidigung denkt, hütet euch auch, ihr Helden, den Feind allzusehr zu bedrängen, damit er nicht ausbreche, um sich zu retten. Am liebsten werde ich euch belohnen, wenn ich das Lager so wiederfinde, wie ich es verlasse.«

Auch Immo ritt unter den Wächtern des Königs, welche in der Schlacht vor seinem Leibe kämpften und ihm die Gasse öffneten, wenn er selbst einen erlauchten Helden bestreiten wollte. Mehr als eine halbe Tagefahrt zog die reisige Schar über Hügel und Tal, die Sonne schien heiß, die Panzerringe brannten durch Leder und Hemd auf die Haut und der Schweiß rieselte von den Flanken der Rosse. Aber der Zuruf des Königs trieb unablässig vorwärts, bald an der Spitze, bald am Ende des Zuges befeuerte er die Müden durch Scherzworte oder scharfen Tadel, er allein, den seine Feinde weichlich gescholten hatten, schien Sonnenbrand und Durst nicht zu fühlen. In der Glut des Mittags klomm die gepanzerte Schar eine steile Höhe hinan. Vielen wurde die Anstrengung unerträglich, Rosse und Reiter brachen zusammen, aber der König mahnte und trieb, wirbelte lustig den Wurfspeer, schalt und verhieß Belohnungen. Kurz vor der Höhe hielten die Müden zu kurzer Rast. Heinrich ordnete die Scharen in der Stille, auch lauter Rede wurde gewehrt. Dann hob er grüßend den Speer, die Posaunen und Hörner schmetterten und brüllten ihre wilden Weisen und in gestrecktem Lauf stob die Heerschar auf günstiger Bahn nach dem engen Tale, worin die Banner, die Zelte und Hütten des Hezilo standen. Es war die Tageszeit nach dem Mahle, wo die Markgräflichen am sorglosesten ruhten; kaum einer der Helden war mit seiner Rüstung bekleidet, auch die Rosse standen ungesattelt an ihren Seilen. Furchtbar tönte den Feinden das Kyrie eleison, der Schlachtruf des Königs, in die Ohren, nur die Tapfersten wagten dem Ansturm entgegen zu sprengen und das drohende Verderben aufzuhalten, sie wurden erschlagen oder verjagt, der Zaun des Lagers wurde durchbrochen, bevor der Widerstand sich daran sammelte; die Mehrzahl der Krieger gefangen, während sie nach den Waffen schrie. Der Markgraf selbst entrann mit einer kleinen Zahl seiner Getreuen.

Als Immo in der ersten Reihe der Leibwächter den Hügel hinabritt, suchte sein scharfes Auge unter den feindlichen Bannern das Zeichen des Grafen Gerhard. Er sah es nicht, aber der erste Krieger, der gegen ihn anritt, war Egbert, ein Günstling des Grafen. Immos Speer warf den hochmütigen Dienstmann in das Gras und über den Gefallenen brach der wilde Strom vorwärts. Der Held fand sich vor dem König im Kampfe gegen Leibwächter des Markgrafen, er stieß, schlug und tat sein Bestes, aber mitten in dem blutigen Gedränge suchte er immer wieder nach dem Buchenreis, welches die Dienstmannen des Grafen an ihrer Rüstung zu tragen pflegten. Als der Schwall verrauscht war und der laute Gesang des Rufers die Helden zusammenlud, da sprengte er zurück zu der Stelle, wo er den Egbert getroffen, aber sein Speer hatte die Arbeit zu gut getan und er vermochte von dem Leblosen keine Kunde einzuholen. Er durchritt die Haufen der Gefangenen, aber auch dort fand er die Buchenzweige nicht und er holte mit Mühe die Kunde heraus, daß Mannen des Grafen unter den Flüchtigen entronnen waren.

Nur die nötigste Rast verstattete der König den Siegern. Von allen Ecken ließ er das Lager in Brand stecken und achtete nicht auf das Murren seines Heeres, welches in den eroberten Hütten Ruhe und Beute gehofft hatte. Eilig ließ er die Gefangenen und die Beuterosse rückwärts treiben und brach wieder in Sonnenglut nach dem eigenen Lager auf, obgleich die ermatteten Sieger mürrisch in ihren Sätteln hingen, gleich geschlagenen Männern. Immo sah von der Höhe zurück auf das Tal, welches mit lodernden Flammen und einer ungeheuren Rauchwolke gefüllt war. Da hörte er wieder den treibenden Ruf des Königs, und Heinrich winkte an seiner Seite reitend ihm zu: »Ich sah dich mannhaft treffen, Held Immo, und mächtigen Staub aufregen quadrupedante putrem sonitu, wie der Heide sagt. Herzog Bernhard,« rief er sich unterbrechend, »gibt es kein Mittel, aus diesem Schneckenritt herauszukommen?«