»Verhüten die Heiligen, daß euch jemals das Los zuteil werde, diesem da im Kampfe gegenüber zu stehen.«
»Emsig flehe ich zu den Heiligen, daß sie es verhüten mögen; aber es scheint, daß sie Lust haben, es zu gestatten. Denn wisse, Immo, der König hat Übles gegen mich im Sinn, und weil wir am Idisbach in der Übereilung dem Erfurter Kaufmann seine Ballen genommen und den Mann dabei beschädigt haben, so will der König mir die Ehre nehmen, ich soll als gerichteter Räuber um mein Leben kämpfen, und weil ich Fechter gehalten habe, so fordert er in seinem Zorn, daß ich vor dem Ringe seiner Edlen gegen meinen eigenen Fechter streiten soll.« Immo trat erschrocken zurück. Der Gefangene erkannte die Teilnahme und fuhr vertraulicher fort: »Aus deinen Augen sehe ich, Immo, daß ich dir alles sagen darf; merke wohl, dieser Undankbare, der meinen Silberring an seinem Arm trägt und der mir gelobt hat, um Geld und Nahrung in jedem Kampfe sein Leben für mich zu wagen, er will sich jetzt von mir nicht treffen lassen.«
»Wie kann ich eine Abrede mit euch machen, Herr, da ihr kein Fechter seid und des Handwerks nicht kundig,« fiel gekränkt der Fechter ein. »Wäret ihr einer von meinen Genossen, so wollte ich einen Arm oder ein Bein wohl daran wagen. Ihr aber würdet mir, wenn ich euch einen Vorteil gäbe, das Eisen in die Glieder treiben, daß ich des Aufstehens für immer vergäße.«
»Du bist ein Narr, das zu fürchten. Ich war in meiner Jugend ein Schwerttänzer und treffe, wohin ich will, wenn mein Gegner Bescheidenheit erweist. So nimm doch die besten Gedanken in deinem dicken Kopf zusammen. Wenn ich dich wirklich ein wenig zu sehr träfe, durch die Hand eines Edlen zu fallen, wäre für dich das ehrenvollste Ende, das du finden könntest.«
Der Mann stand mit zusammengezogenen Augenbrauen und überlegte. »Ja, Herr,« sagte er zögernd, »ihr sprecht nicht ohne Grund, auch der Fechter hat seine Ehre. Und trefft ihr mich, so soll dies mein Trost sein und es wird Nachruhm gewähren bei allem fahrenden Volk. Doch wenn ihr mich nicht trefft, sondern ich euch, dann wäre der Ruhm noch größer.«
»Du aber hast dich mir gelobt, wie kannst du mich treffen, du Schuft?« rief der Graf zornig.
Der Fechter sah finster vor sich nieder. »Ich weiß, was ihr meint,« begann er endlich, »und ich merke, daß ich in der Klemme bin wie ein Marder. Sie sollen nicht sagen, daß ich gegen meinen Herrn unehrlich gehandelt habe. Solange ich euren Ring trage, seid ihr sicher vor meinem Eisen; feilen sie mir den Ring ab, so fechte ich als des Königs Kämpe und dann, meine ich, darf ich euch treffen.«
»Weiche hinaus, du Elender,« rief der Graf zornig, »mich reut's, daß ich so manches Kalb und Rind in deinen Magen gestopft habe und mich reut's, daß ich in meiner Not bei einem Ehrlosen Hilfe suche.«
Der Fechter sah verlegen und unschlüssig auf den Zornigen, dann wandte er sich trotzig zum Abgang. Als sich hinter ihm die Tür geschlossen hatte, saß der Graf eine Zeitlang schweigend auf der Bank, und Immo sah, daß ihm große Schweißtropfen von der Stirne rannen. Endlich begann er mit gebeugter Haltung: »Wundere dich nicht, Immo, daß ich gerade dich bitten ließ. Du kennst den Brauch in heiligen Dingen, du bist selbst ein halber Geistlicher, obgleich du das Schwert führst, und vor allem bist du jung, erst aus Wigberts Zucht gekommen, du kannst noch nicht sehr viel Böses getan haben, und die Heiligen werden dir eher etwas zugute halten, als einem andern. Darum möchte ich dir Vertrauen schenken in der Sache, die mir jetzt zumeist am Herzen liegt. Willst du mir geloben, eine Bitte zu erfüllen, so tue es.«
Da Immo erwartete, daß der Graf an seine Tochter denken würde, so war er gern bereit und sprach an sein Schwert fassend: »Ich will, wenn ich es ohne Schaden für meine Seele tun kann.«