Gegen Mittag sagte der Kaufmann zu seiner Schwester: »Du hast Recht gehabt, Wohlfart war in der Hauptsache unschuldig, Fink hat in seinem Uebermuth die ganze Intrigue angezettelt.«

»Ich wußte es,« rief Sabine und fuhr heftig mit der Nadel in ihre Stickerei. — »Wenn es möglich ist, Traugott, so verhüte jetzt eine neue Unbesonnenheit.«

»Sie müssen die Geschichte selbst abmachen,« antwortete der Kaufmann, »ich bin neugierig, wie sie das zu Stande bringen werden.«


Anton arbeitete den Tag über wie Einer, der sich betäuben will, sprach nur das Nöthige und ging am Abend trotzig die drei Treppen hinauf, sich anzukleiden, als ein Mann, der seinen Entschluß gefaßt hat.

Fink sah ihn den Tag über mißtrauisch an und frug sich selbst: »Was hat der Junge vor? Er geberdet sich, als sollte er das erste Duell abmachen.« Und hätte er in Antons Seele sehen können, vielleicht hätte auch ihn erschüttert, den Schmerz zu erkennen, der in dem jungen Herzen fraß. Es war nicht verletzter Stolz allein, nicht die Scham, wie ein Abenteurer und Betrüger zu erscheinen, denn diese beiden Empfindungen gingen unter in einem größeren Weh, in dem Gedanken an den Abschied von seiner geliebten Tänzerin.

Fink sprang die drei Treppen hinauf in Antons Zimmer, den er bereits angekleidet fand, sah das bleiche Gesicht des Freundes, das heute um ein Paar Jahre älter aussah, als gewöhnlich, und frug, seine Hand ergreifend: »Bist du böse auf mich?«

»Nicht auf dich und auf keinen Andern,« sagte Anton aufgeregt. »Höre mich an; wie das Gerücht entstanden ist, will ich nicht wissen. Es ist möglich, daß du dir einen Scherz mit mir und den Leuten gemacht hast.«

»Mit dir nicht, mein Kind,« sagte Fink.

»Jedenfalls hast du um das Geschwätz gewußt und mir nichts davon gesagt, das war nicht recht von dir, ich sage dir das jetzt und werde dir's nicht nachtragen, und wir wollen mit einander über diese Geschichte niemals wieder reden.«