»Alles habe ich gehört,« sagte Veitel kaltblütig, »Sie haben ja Beide geschrieen, daß man es hören mußte in dem Hausflur. Warum haben Sie mir ein Geheimniß gemacht aus dem Geschäft? Wenn Sie mir gesagt hätten, was Sie vorhaben, ich hätte Ihnen den Löbel billiger verschafft.«

Herr Ehrenthal sah starr auf den kecken Burschen und konnte nichts hervorbringen, als die Worte: »Was ist das?«

»Ich kenne den Pinkus,« fuhr Veitel fort, entschlossen, sich zum Mitspieler in dem Stück zu machen, welches jetzt aufgeführt wurde. »Wenn Sie ihm geben hundert Thaler, so wird er Ihnen als treuer Mann verkaufen eine gute Hypothek an den Baron.«

»Was wissen Sie von der Hypothek?« fuhr Herr Ehrenthal bestürzt heraus.

»Ich weiß genug, um Ihnen dabei zu helfen, wenn ich helfen will,« antwortete Veitel. »Und ich will Ihnen helfen, wenn Sie haben Vertrauen zu mir.«

Herr Ehrenthal starrte immer noch verwundert in das Gesicht seines Buchhalters, es dämmerte ihm die Ansicht, daß sein Gehülfe mehr kaltes Blut und Entschlossenheit haben könnte, als er selbst. Endlich rief er zwischen Freude und Sorge: »Sie sind ein braver Mensch, Veitel, schaffen Sie mir den Pinkus zurück, er soll haben die hundert Thaler.«

»Ich habe auch gelesen die Aufschrift von den Briefen, welche der Justizrath zur Post gegeben hat. Es ist ein Brief darunter an den Justizcommissarius Walther in Rosmin.«

»Ich hab's gedacht,« rief Herr Ehrenthal erfreut; »es ist gut, Itzig, schaffen Sie mir den Löbel.«

»Dem Schreiber des Justizraths habe ich zu zahlen fünf Thaler und ich soll bekommen einen Ducaten, macht acht Thaler 5½,« fuhr Veitel fort, ohne sich von der Stelle zu rühren.

»Es ist schon gut,« beschied ihn Ehrenthal durch eine nachlässige Handbewegung; »Sie sollen haben das Geld, aber vor Allem muß ich haben den Pinkus.«