»Es hilft doch, diese Justizcommissarien müssen bei uns Erkundigungen einziehen über die Verhältnisse: sie können selbst nicht so gut wissen wie wir, wie es steht mit dem Kauf und Verkauf der Wolle und des Getreides. Wir müssen thun, was wir können, und ich glaube, es wird helfen für das Geschäft.«
Ehrenthal stützte schwermüthig den Kopf auf die Hand und sagte mit einem Seufzer: »Sie können glauben, Löwenberg, es macht mir schwere Sorge.«
»Es wird auch sein ein schöner Vortheil,« tröstete der Andere. »Neunzig Procent zahlt der Käufer, den Sie haben, und dem Grafen werden geschickt nach Paris siebenzig Procent: von den zwanzig Procent Differenz zahlen Sie fünf an den Bevollmächtigten des Grafen, und fünf an mich für meine Bemühung, und zehn Procent bleiben Ihnen. Viertausend Thaler sind ein schöner Gewinn bei einem Geschäft, zu dem man braucht kein Capital.«
»Aber es macht Sorge,« sprach Herr Ehrenthal gebeugt; »glauben Sie mir, Löwenberg, ich bin so aufgeregt von dem Nachdenken, ich habe keine Nacht, wo ich schlafen kann, wenn ich liege in meinem Bett. Und wenn meine Frau mich frägt: Schläfst du, Ehrenthal? so muß ich ihr immer sagen: Ich kann nicht schlafen, Sidonie, ich muß denken an die Geschäfte.«
Eine halbe Stunde darauf fuhr eine Extrapost zum Thore hinaus. Am nächsten Morgen erhielt der Justizcommissarius Walther einen Geschäftsbesuch des Herrn Löwenberg und wurde durch die kühle und überzeugende Weise dieses Herrn allerdings zu der Ansicht gebracht, daß die Verhältnisse des Grafen Zaminsky doch nicht so zerrüttet waren, als man in der Umgegend erzählte.
Acht Tage darauf empfing der Freiherr von Rothsattel einen Brief seines Rechtsfreundes und darin die Copie eines Schreibens vom Justizcommissarius Walther. Das Gutachten beider Rechtsverständigen stellte den Kauf der Hypothek als ein Geschäft dar, von dem wenigstens nicht unbedingt abzurathen war. Und als den Tag darauf Ehrenthal auf dem Gut seinen Besuch machte, hatte der Freiherr seinen Entschluß gefaßt, die Hypothek zu nehmen. Was ihn lockte, fortwährend, unwiderstehlich, das war der schnelle Gewinn von einigen tausend Thalern. Es war ein Segen der Praxis, die er in dem früheren Geschäft mit Ehrenthal erworben hatte. Er wollte die Hypothek gut finden, und hätte sie vielleicht genommen, auch wenn sein Rechtsfreund ihm entschieden abgerathen hätte.
Ehrenthal erbot sich mit großer Uneigennützigkeit, da er doch eine Geschäftsreise in jene Gegend vorhabe, Vollmacht von dem Freiherrn anzunehmen und für ihn den Kauf mit dem Bevollmächtigten abzuschließen. Der Freiherr war gern damit zufrieden, denn sein Zartgefühl sträubte sich dagegen, daß er in eigener Person eine Zahlung machen sollte, deren Betrag geringer war, als die Summe, welche er durch das Hypothekeninstrument dafür kaufte.
Acht Tage später war er im Besitz einer Hypothek von vierzigtausend Thalern, für welche er nur sechsunddreißigtausend Thaler gezahlt hatte, und Ehrenthal und seine Freunde hatten obendrein ein schönes Geschäft gemacht, das beste von Allen Itzig, denn er hatte ein Uebergewicht über seinen Meister erhalten und war Rathgeber und Vertrauter geworden bei den geheimnißvollsten Unternehmungen. Alle Parteien waren zufrieden. Der Freiherr holte seine reich ausgelegte Cassette hervor und legte an die Stelle der schönen weißen Pergamente das dicke, gelbliche, durch viele Hände abgerissene Actenbündel, welches von jetzt ab sein Vermögen vorstellte. — Er sah nicht mehr mit der frohen Aufmerksamkeit hinein, welche er früher den Pfandbriefen gegönnt hatte, er warf den Deckel des Kästchens schnell zu und schob es in den Secretär, ganz wie ein alter ermüdeter Geschäftsmann, wie Einer, der froh ist, eine Arbeit hinter sich zu haben. Er eilte in die Zimmer der Damen und beschrieb dort mit Laune die Glückwünsche und Bücklinge Ehrenthals.