»Ich mag ihn nicht dulden,« sagte Lenore, »er sieht aus wie ein kleiner fauchender Hamster.«
»Diesmal wenigstens hat er sich in seiner Weise uneigennützig gezeigt,« antwortete der Vater. »Es ist wahr, alle diese Geschäftsleute haben etwas Karrikirtes, und es ist bei aller Gutmüthigkeit für unser Einen nicht immer möglich, bei ihren Bücklingen das Lachen zu unterdrücken.«
An demselben Abende ging Herr Ehrenthal bei seiner Frau Sidonie im langen Schlafrocke vergnügt auf und ab, er versuchte ein kleines Lied zu singen, klopfte seine Tochter Rosalie auf den weißen Nacken und warf seiner Frau von Zeit zu Zeit einen schlauen und zärtlichen Blick zu, so daß ihn Madame Ehrenthal endlich frug: »Du hast abgemacht dein Geschäft mit dem Baron?«
»Ja,« rief Ehrenthal lustig.
»Er ist ein schöner Mann, der Baron,« bemerkte die Tochter.
»Er ist ein guter Mann,« sagte Ehrenthal, »aber er hat seine Schwächen. Er ist einer von den Menschen, welche verlangen tiefe Bücklinge und unterthänige Reden und welche Geld bezahlen, damit Andere für sie denken. Er würde lieber verlieren Eins vom Hundert, wenn man nur zu ihm spricht mit gebogenem Rücken, den Hut in der Hand. Es sind auch solche Leute nöthig in der Welt, was sollte sonst werden aus unserm Geschäft? —«
Und an demselben Abend saß auch Veitel in seiner Stube, und der Advocat neben ihm, und Veitel berichtete in der Kunstsprache über das abgeschlossene Geschäft und sagte: »So ist der Rothschwanz gefangen in dem Sprenkel, und der Ehrenthal hat dabei gewonnen viertausend Thaler.«
Hippus hatte seine Brille abgenommen und sah in dem viereckigen Holzkasten, welchen Frau Pinkus ein Sopha nannte, gerade aus wie ein weißer ältlicher Affe, der den Weltlauf verachtet und seinen Wärter in die Beine beißt. Er hörte mit kritischem Ernst auf den Bericht seines Schülers, schüttelte hin und wieder den Kopf, oder lächelte, wenn etwas nach seinem Geschmack war.
Als Veitel seinen Bericht mit den Worten schloß: »Der Ehrenthal hat keine Courage, er verliert den Kopf bei großen Geschäften,« da rief Herr Hippus verächtlich: »Der Ehrenthal ist ein Gimpel. Er setzt nichts Großes durch, er ist ein kleinlicher Mann. Es ist ihm immer so gegangen; wo es darauf ankam, hat er gezaudert und ist stecken geblieben. Wenn er den Edelmann durch Trinkgelder kirren will, die er ihm zukommen läßt, so wird ihn der Freiherr zuletzt die Treppe hinunter werfen.«