»Was soll er aber mit ihm thun?« frug Veitel.

»Sorgen muß er ihm machen,« sprach Hippus im Eifer aufstehend, »Sorgen durch Arbeit. Große Arbeit, immerwährende Unruhe, tägliche Sorgen, die nicht aufhören, das ist das Einzige, was der Freiherr nicht aushalten kann. Diese Leute sind gewöhnt, wenig Arbeit zu haben und viel Vergnügen, Alles wird ihnen zu leicht gemacht im Leben von Klein auf. Es giebt Wenige, die den Kopf nicht verlieren, wenn eine große Sorge das ganze Jahr in ihrem Schädel herum bohrt. Das ruinirt sie. Ist so Einer höchstens zwei Mal im Tage durch seine Wirthschaft gelaufen, so denkt er, er hat gearbeitet, während der Amtmann das Beste thut und manchmal noch die Dummheiten des Herrn ausbessern muß. — Will der Ehrenthal den Baron unter sich bringen, so muß er ihn in große Geschäfte verwickeln, er muß selbst etwas wagen, und dazu hat er keine Entschlossenheit und keinen Verstand, er ist nur ein Gimpel, der sein gelerntes Stückchen pfeift und hinterher mit dickem Kopfe dasitzt.«

So lehrte der Advocat, und Veitel verstand die klugen Worte und sah mit einer Mischung von Achtung und Scheu auf den kleinen häßlichen Teufel, welcher heftig vor ihm gesticulirte. Endlich ergriff Herr Hippus die Branntweinflasche, stampfte sie auf den Tisch und rief: »Heut noch eine Füllung extra! Was ich dir jetzt gesagt habe, du junger Galgenvogel, ist mehr als eine Flasche Doppelten werth.«


V.

»Ich bin heut achtzehn Jahr,« sagte Karl zu seinem Vater, der an einem Sonntag zufrieden in seiner Stube saß und nicht müde wurde, den stattlichen Jüngling anzusehen.

»Das ist richtig,« erwiederte der Vater, »achtzehn Lichter stehen auf dem Kuchen.«

»Also, Vater,« fuhr Karl fort, »es ist Zeit, daß ich etwas werde.«

»Du?« frug der Vater verwundert, »was willst du denn noch anders werden, als du bist? Ein Knirps bist du und wirst in deinem Leben nichts Anderes.«