»Ja, ich muß doch aber etwas Bestimmtes wissen für einen Beruf,« versetzte Karl, »Schuster, Schneider, Kaufmann oder Mechanikus.«

»Darum mache dir keine Sorge,« sagte der Vater mit Ueberlegenheit, »dafür habe ich bei deiner Erziehung gesorgt, du bist praktisch — und ehrlich,« fügte er hinzu.

»Das denke ich,« sagte Karl, »aber kann ich ein Paar Stiefeln machen? kann ich einen Rock zuschneiden?«

»Du kannst's,« erwiederte der Alte ruhig, »versuch's und du wirst's können.«

»Na, warte, du Brummbär, morgen kaufe ich Leder und nähe dir ein Paar Stiefeln, du sollst fühlen, wie sie drücken.«

»Weißt du was,« entgegnete der Vater, »ich werde diese Stiefeln nicht anziehen, ich werde vielleicht auch die zweiten nicht anziehen, ich werde warten, bis du das dritte Paar gemacht hast, die werden nicht drücken.«

»Mit dir wird man nicht fertig,« sagte Karl ärgerlich, »ich weiß schon, wo ich mir Rath erhole. So kann's mit mir nicht bleiben; ich werde dir Jemand auf den Hals schicken, der dir dasselbe sagen soll.«

»Sei nur nicht ehrgeizig, Karl,« sagte der Alte kopfschüttelnd, »und verdirb mir den heutigen Tag nicht. Jetzt gieb mir die Bierkanne her und sei ein guter Junge.«

Karl setzte die große Kanne vor den Vater, nahm bald darauf seine Mütze und verließ das Zimmer. Der Vater blieb bei seinem Bier sitzen, aber sein Behagen war gestört, er sah immer wieder nach der Thür, zu welcher Karl hinausgegangen war, er sah sich in der Stube um, die ohne das fröhliche Gesicht seines Sohnes so einsam war. Endlich ging er in die Kammer nebenan, setzte sich dröhnend auf dem Bette nieder und zog unter der Bettstelle einen schweren eisernen Kasten hervor. Er öffnete ihn mit einem Schlüssel, den er aus der Westentasche zog, nahm einen Beutel Geld nach dem andern heraus und stellte eine Kopfrechnung an, dann schob er den Kasten wieder unter das Bett und setzte sich beruhigt zu dem Haustrunk.