Unterdeß ging Karl in seinem Sonntagsstaat mit eiligen Schritten in die Stadt und trat in Antons Zimmer. »Guten Morgen, Karl,« rief ihm Anton entgegen, »was bringst du?«
Karl begann feierlich: »Ich komme, Sie um Rath zu fragen, was aus mir werden soll. Mit meinem Vater ist darüber nicht zu reden. Ich will Auflader werden, und der Alte will's nicht leiden; ich will etwas Anderes werden, und er vertröstet mich auf die Zeit, wo er nicht mehr leben wird. Ein schöner Trost! Er ist gerade wieder ein rechter Goliath. Ich bin heut achtzehn Jahr, und das Ding muß mit mir anders werden, ich greife hier im Hause überall mit an, aber das ist nirgends etwas Ordentliches.«
»Du hast Recht,« sagte Anton verständig. »Vor Allem aber gratulire ich dir zu deinem Geburtstage, und warte, hier ist ein Buch für dich, das nimm zum Angebinde, ich werde dir meinen Namen hineinschreiben.«
»Seinem getreuen Karl, Anton Wohlfart,« las der erfreute Karl. »Ich danke Ihnen, Herr Wohlfart, ich habe schon fünfundsechzig Bücher. Jetzt wird die zweite Reihe voll.«
»Und so setze dich her zu mir und laß uns Rath halten. Vor Allem sage, was kann ich dir helfen? Ist's nicht besser, wenn du mit Herrn Schröter selbst sprichst? Er ist ja dein Pathe.«
»Das wird mir zu groß,« entgegnete Karl ernsthaft, »der Vater könnte denken, ich wollte ihn verklagen. Bei Ihnen ist das freundschaftlicher.«
»Gut,« stimmte Anton bei.
»Und so wollte ich Sie bitten, daß Sie gelegentlich mit meinem Vater über mich sprechen. Er hat zu Ihnen ein großes Zutrauen und er weiß, daß Sie's mit mir gut meinen.«
»Das will ich gern,« sagte Anton, »aber was gedenkst du zu werden?«
»Das ist mir gleich,« erwiederte Karl, »nur etwas Ordentliches.«