»Und haben Sie an etwas Anderes gedacht?« frug Anton weiter. »Karl ist zwar im Geschäft sehr nützlich und wir Alle werden ihn vermissen, wenn er im Hause fehlen sollte.«
»Das gerade ist es,« unterbrach ihn der Auflader, »das war das Richtige, was Sie gesagt haben. Sie werden ihn vermissen, ich auch. Ich bin allein im Hause, seit meine Selige todt ist; wenn ich die rothen Backen meines Kleinen in diesen Wänden sehe, so bin ich zufrieden: wenn ich in Ihrem Hause seinen kleinen Hammer höre, so fühle ich die Lustigkeit in meinem Herzen. Wenn er weggeht von mir, und ich einsam in dieser Stube sitze, ich weiß nicht, wie ich's ertragen soll.«
Die Züge des Mannes zuckten vor innerer Bewegung. »Aber muß er sich denn ganz von Ihnen trennen?« frug Anton endlich, »vielleicht kann er noch Jahre lang hier wohnen.«
Sturm schüttelte bedeutungsvoll den Kopf. »Ich kenne ihn, er kann's nicht; wenn er erst einmal etwas anfängt, so ist er hinterher, wie ein Teufel, dann denkt er an nichts, als an das eine Ding. Aber ich habe mir's überlegt in den letzten Tagen. Ich will Ihnen sagen,« fuhr er vertraulich fort, »ich habe Unrecht, wenn ich an mich denke. Der Junge hat nicht für mich seinen Kopf in die Welt gesteckt, sondern für sich selber. Er soll etwas werden. Und nun frage ich, was meine Selige sich für den Jungen wünschen würde, wenn sie noch lebte. Diese Frau hatte einen Bruder, welcher mein Schwager ist, und dieser Schwager ist auf dem Lande. Ein Freigut, dort oben, wo das hohe Wasser herkommt; ein gesetzter Mann, er tauscht nicht mit manchem Rittergut. Der besucht mich alle Jahre, wenn sie ihre Wolle geschoren haben. Der kennt mich und kennt den Karl, dem möchte ich meinen Kleinen übergeben, wenn ich ihn nicht behalten soll. Er ist weit von hier,« schloß er traurig, »aber es ist Verwandtschaft.«
»Das ist ein guter Gedanke, Herr Sturm,« sagte Anton, erfreut, auf so wenig Hindernisse zu stoßen, »aber ich habe immer gehört, daß der Landwirth auf eine selbstständige Thätigkeit in der Regel nur dann hoffen kann, wenn er nicht ganz ohne Vermögen ist.«
»Das paßt,« sagte der Riese seinen Finger erhebend geheimnißvoll, »er ist nicht ganz ohne Vermögen. Von seiner Mutter her, und auch etwas von seinem Vater. Er weiß aber von gar nichts, denn ich wollte, er sollte praktisch werden. Und sagen Sie ihm auch nichts.«
»Da Sie so väterlich für Ihren Sohn sorgen,« rief Anton, »so lassen Sie ihn nicht länger in Unsicherheit; es ist brav von ihm, daß er das Ungenügende seiner jetzigen Arbeit empfindet.«
»Er kann es sogleich hören,« sagte der Alte aufstehend, »er steckt im Garten. Sie sollen dabei sein.« Sturm trat in das Haus und rief mit seiner mächtigen Stimme in den Garten. Karl eilte herbei, begrüßte Anton und sah erwartungsvoll bald auf diesen, bald auf den Vater. Der Alte hatte sich wieder ruhig hingesetzt und frug in seinem gewöhnlichen Ton: »Kleiner Knirps, willst du ein Oekonom werden?«
»Landwirth?« rief Karl, »daran habe ich noch gar nicht gedacht. Dann müßte ich ja fort von dir, Vater.«