»Es kennt mich noch,« rief sie und winkte den stämmigen Großknecht bei Seite.
»Es hat sich abgearbeitet,« sagte der Mann, »jetzt ist's ruhig.«
»Werft Euch sogleich auf ein Pferd und reitet zum Thierarzt,« befahl Lenore dem Knecht.
Dem Mann war es nicht behaglich, zur Nacht einige Meilen zu reiten, er antwortete zögernd: »Der Doctor ist niemals zu Hause; ehe er kommt, ist's mit dem Pferde zu Ende.«
»Gehorcht!« befahl Lenore kalt und wies nach der Thüre. Der Knecht ging widerwillig hinaus.
»Was ist das mit dem Großknecht?« frug Lenore, als sie mit dem Amtmann aus dem Stall trat.
»Er thut nicht mehr gut und müßte fort, ich habe es dem gnädigen Herrn schon oft gesagt. Aber gegen den Herrn Baron ist der Schlingel bethulich wie ein Ohrwurm; er weiß, daß er einen Stein im Bret hat; gegen alle andern Leute ist er widerhaarig, und ich habe täglich meinen Aerger mit ihm.«
»Ich will mit dem Vater sprechen,« erwiederte Lenore die Stirn faltend.
Der alte Diener blieb stehen und fuhr zutraulich fort: »Ach, gnädiges Fräulein, wenn Sie sich der Wirthschaft etwas annehmen wollten, das wäre ein wahres Glück für das Gut. Mit dem Kuhstall bin ich auch nicht zufrieden. Die neue Wirthschafterin versteht die Mägde nicht zu tractiren, sie ist zu flatterhaft, Bänder hinten und Bänder vorn. Sonst war's besser im Gange, da kam der Herr Baron manchmal selbst und besah das Butterfaß. Jetzt hat er wohl andere Geschäfte, und wenn die Leute wissen, daß der Herr nachsichtig ist, so spielen sie dem Amtmann Trumpf aus, wenn er sie scharf behandelt. — Sie können scharf sein mit den Leuten, es ist jammerschade, daß Sie kein Herr sind.«