»Wohlan,« sagte der Rittmeister aufstehend, »ich will Ihrer Reise kein Hinderniß in den Weg legen. Sie werden mir Ihr Ehrenwort geben, daß Sie drüben unter keiner Bedingung etwas über die Stärke dieses Grenzpostens, die Aufstellung unserer Truppen und über das mittheilen, was Sie etwa von unsern projectirten Maßregeln gehört haben.«
»Ich gebe mein Wort,« sagte der Kaufmann.
»Ihre Persönlichkeit bürgt mir zwar dafür, daß Ihre Angaben über den Zweck der Reise die richtigen sind, zu meiner dienstlichen Information wünsche ich aber die betreffenden Papiere zu sehen, wenn Sie solche bei sich haben.«
»Hier sind sie,« sprach der Kaufmann eben so geschäftsmäßig. »Hier mein Paß in's Ausland auf ein Jahr, hier der Verladeschein des polnischen Verkäufers, die Copien meiner Briefe an das Grenzzollamt und den hiesigen Spediteur, und hier die Antworten derselben. Die Beamten des Grenzzollamts und der Spediteur können außerdem die Wahrheit dieser Angaben bezeugen.«
Der Rittmeister durchflog die Papiere und gab sie zurück. »Sie sind ein muthiger Mann, und ich wünsche Ihnen alles Glück,« sagte er mit amtlicher Würde. »Und wie wollen Sie reisen?«
»Mit Postpferden. Im Falle man mir die Pferde verweigert, werde ich sie kaufen und selbst fahren; einen Wagen wird mir unser Wirth überlassen, ich werde morgen bei Tage reisen, weil ich bei Nacht noch mehr Verdacht erwecken würde.«
»Wohlan, morgen mit Tagesanbruch sehe ich Sie wieder. Wie ich annehme, rücken wir selbst spätestens in drei Tagen in Feindes Land; falls ich bis dahin keine Nachricht von Ihnen habe, werde ich Sie in der eroberten Stadt aufsuchen. Wir brechen auf, meine Herren, die Sitzung hat bereits zu lange gedauert.«
So zogen die Herren vom Militär mit geschäftlichem Klirren ab, und Anton und sein Prinzipal blieben mit den leeren Weinflaschen allein in der Kammer. Der Kaufmann öffnete das Fenster und wandte sich dann zu Anton, welcher den letzten Verhandlungen in großer Aufregung zugehört hatte. »Wir werden uns hier trennen, lieber Wohlfart,« fing er an.
Bevor er aussprechen konnte, ergriff Anton seine Hand und sagte mit Thränen in den Augen: »Erlauben Sie mir mit Ihnen zu gehen, schicken Sie mich nicht in das Geschäft zurück. Es würde mir mein ganzes Leben hindurch ein unerträglicher Vorwurf sein, wenn ich auf dieser Reise von Ihnen gegangen wäre.«
»Es ist unnütz, vielleicht unklug, wenn Sie mitreisen. Was dort zu thun ist, kann ich sehr gut allein abmachen; wenn irgend eine Gefahr ist, was ich nicht glaube, so kann Ihre Gegenwart mich nicht davor schützen, ich würde nur das peinliche Gefühl haben, daß ich einen Andern um meinetwillen in Verlegenheit gebracht habe.«