»Ich würde Ihnen doch sehr dankbar sein, wenn Sie mich mitnehmen wollten,« bat Anton flehentlich, immer noch die Hand des Prinzipals haltend. »Auch Fräulein Sabine hat es gewünscht,« fügte er hinzu, indem er in weiser Steigerung den stärksten Ueberredungsgrund zuletzt aus seinem bewegten Gemüth heraufholte.
»Sie ist ein furchtsames Mädchen,« sagte der Kaufmann lächelnd. »Indeß, da Sie so freundschaftlich darauf bestehen, mag es sein. Wir reisen zusammen; rufen Sie den Wirth und lassen Sie uns die Reisegelegenheit besprechen.«
II.
Es war noch dämmrige Nacht, als Anton vor die Thür der Schenke trat. Ein dichter Nebel hing über der Ebene und bewegte sich unruhig in dem Zwielicht des nahen Tages; unten am Horizont bezeichnete ein rother Feuerschein die Gegend, nach welcher die Reisenden fahren sollten. Mit grauem Schleier verhüllten die Dämpfe der Nacht einen dunklen Haufen an der Erde. Anton trat näher und erkannte eine Anzahl Männer, Weiber und Kinder, sie kauerten am Boden, bleiche, ausgehungerte, tiefgefurchte Gesichter. »Sie sind aus dem Grenzdorf von jenseits,« erklärte ihm ein alter Wachtmeister, welcher in seinem Reitermantel daneben stand. »Ihre Dörfer brennen, sie waren in die Wälder gelaufen, heut Nacht kamen sie an das Wasser, streckten die Hände aus und schrieen jämmerlich nach Brod. Weil es meist Weiber und Kinder sind, hat der Herr Rittmeister ihnen erlaubt, herüber zukommen, und hat ihnen einige Brode zerschneiden lassen. Sie haben einen Mordheißhunger. Nach ihnen kamen größere Banden, alle schrieen: Brod! Brod! und rangen die Hände. Wir haben ihnen einige Pistolenschüsse über die Köpfe gefeuert und sie weggefegt.«
»Ei!« sagte Anton, »das ist keine tröstliche Aussicht für unsere Reise. Was soll hier aus den armen Leuten werden?«
»Es sind Grenzteufel,« sagte der Wachtmeister begütigend, »die Hälfte des Jahres schmuggeln und saufen sie, und die andere Hälfte hungern sie. Diese hier frieren jetzt etwas.«
»Kann man ihnen nicht einen Kessel mit Suppe kochen?« frug Anton mitleidig und griff nach seiner Tasche.
»Wozu Suppe?« sagte der Wachtmeister kaltblütig, »ein Schluck Branntwein wäre der ganzen Gesellschaft lieber; dort trinkt Alles Branntwein, auch was noch Säugling ist; wenn Sie etwas dran wenden wollen, ich will's ihnen austheilen und einen ehrlichen Soldaten nicht vergessen.«