Schneidende Mißtöne drangen aus dem Hofe in sein Zimmer und weckten ihn; die Arbeiter der Fabrik zogen mit der Dorfmusik unter sein Fenster und brachten ihm ein Ständchen. Zu anderer Zeit hätte er sich über den gutwilligen Eifer gefreut, heut hörte er nur die unreinen Klänge, und sie quälten ihn. Hastig kleidete er sich an und eilte in den Hof. Sein Haus war bekränzt, die Arbeiter hatten sich vor der Thür aufgestellt, sie empfingen ihn mit lautem Zuruf, er mußte den Mund aufthun und ihnen sagen, daß er sich dieses Tages freue und daß er viel Gutes von ihm erwarte, und während er sprach, fühlte er, wie unwahr seine Worte waren und wie gebrochen sein Muth. Er ließ anspannen, ehe er noch seine Frau und Tochter begrüßt hatte, und jagte wieder der Stadt zu. Er stand in Ehrenthals Hause und schüttelte an der Thür des Comtoirs; noch war die Thür verschlossen, sein Diener mußte den Händler vom Frühstück herunter holen.
Unruhig über das Außerordentliche des frühen Besuchs erschien Ehrenthal, er hatte sich diesmal nicht beeilt, den alten Schlafrock auszuziehen. Der Freiherr trug sein Anliegen so kaltblütig vor, als ihm nach der schlaflosen Nacht möglich war. Ehrenthal gerieth in die größte Entrüstung. »Dieser Pinkus,« rief er einmal über das andere, »er hat sich unterstanden, Ihnen Geld zu borgen gegen einen Wechsel! Wie kann er Ihnen borgen eine so große Summe? Der Mann hat keine zehntausend Thaler, er ist ein kleiner Mann ohne Mittel.« Der Freiherr gestand, daß die Summe ursprünglich geringer gewesen war, aber dies Geständniß steigerte die Unruhe Ehrenthals.
»Von sieben zu zehn,« rief er und rannte heftig auf und ab, daß der Schlafrock um ihn flog, wie die Flügel einer Eule. »Fast dreitausend Thaler hat er gewonnen! Ich habe immer ein schlechtes Zutrauen zu diesem Menschen gehabt, jetzt weiß ich, was er ist! Er ist ein Spion, ein Achselträger, der auf zwei Schultern trägt! Er hat auch nicht gegeben die siebentausend, sein ganzer Kram ist nicht siebentausend werth.«
Die starke Entrüstung des Händlers warf einen Freudenschimmer in die Seele des Freiherrn; wie Unrecht hatte er dem Mann oft in seinen Gedanken gethan! »Auch ich habe Ursache, den Pinkus für einen gefährlichen Menschen zu halten,« sagte er.
Aber diese Beistimmung gereichte dem Freiherrn zum Unheil, der Zorn Ehrenthals wandte sich jetzt gegen ihn. »Was rede ich von dem Pinkus,« schrie er; »er hat gehandelt, wie ein Mensch von seiner Art handeln muß. Aber Sie, der Sie sind ein Edelmann, wie haben Sie in solcher Weise an mir handeln können? Sie haben hinter meinem Rücken mit einem Andern Geschäfte gemacht und haben ihn in kurzer Zeit verdienen lassen drei von sieben auf Wechsel. Auf Wechsel,« fuhr er fort; »wissen Sie, was das heißt, ein Wechsel?«
»Ich wünschte, daß die Schuld nicht nöthig gewesen wäre,« sagte der Freiherr; »da aber heut der Verfalltag ist, und der Mann in eine Verlängerung nicht willigt, so müssen wir versuchen, Zahlung zu schaffen.«
»Was heißt wir!« fuhr Ehrenthal zornig auf; »Sie müssen Zahlung schaffen, sehen Sie zu, wie Sie Geld schaffen für den Mann, dem Sie dreitausend haben geschrieben in seine Tasche. Sie haben mich nicht gefragt, als Sie ausgestellt haben den Wechsel, Sie brauchen mich nicht zu fragen, wie Sie werden zahlen das Geld.«
In dem Freiherrn lagen Angst und Zorn im Kampfe. »Mäßigen Sie Ihre Sprache, Herr Ehrenthal,« rief er.
»Was soll ich mich mäßigen,« schrie der Händler; »Sie haben sich nicht gemäßigt und der Pinkus hat sich nicht gemäßigt, ich will mich auch nicht mäßigen.«
»Ich werde wiederkommen,« sagte der Freiherr, »wenn Sie die Haltung gewonnen haben, die ich mir gegenüber unter allen Umständen erbitten muß.«