Veitels Augen blitzten wie die eines Raubvogels, aber er schüttelte den Kopf, und zuckte lange mit den Achseln, während er sich den Schein gab, nachzudenken. »Gnädigster Herr Baron,« sagte er endlich, »vielleicht giebt es ein Mittel, das letzte Mittel. Sie haben eine Hypothek von zwanzigtausend Thalern auf Ihrem Gute, welche Ihnen selber gehört und welche bei Ehrenthal im Comtoir liegt. Ich will machen, daß der Pinkus Ihnen läßt die Zehntausend, und will Ihnen noch schaffen zehn, wenn Sie meinem Freunde cediren diese Hypothek.«

Der Freiherr horchte auf. »Wahrscheinlich wissen Sie nicht,« entgegnete er streng, »daß ich das Instrument bereits an Ehrenthal cedirt habe.«

»Verzeihen Sie, gnädiger Herr, das haben Sie nicht gethan, es ist keine gerichtliche Cession vorhanden.«

»Aber mein schriftliches Versprechen,« sagte der Freiherr.

Veitel zuckte die Achseln: »Wenn Sie versprochen haben, dem Ehrenthal zu stellen eine Hypothek für sein Geld, warum muß es gerade sein diese? Und was brauchen Sie eine Hypothek für Ehrenthal? In diesem Jahre erhalten Sie Ihr Capital, das Sie haben auf der Herrschaft bei Rosmin, dann können Sie ihn bezahlen mit baarem Geld. Bis dahin lassen Sie ruhig die Hypothek in seinen Händen, es braucht kein Mensch zu wissen, daß Sie uns gemacht haben eine Cession. Wenn Sie die Gnade haben wollen, mit mir zu gehen zu einem Notar und meinem Freunde vor diesem die Hypothek zu verschreiben, so schaffe ich Ihnen noch heute zweitausend Thaler, und an dem Tage, wo Sie das Instrument legen in unsere Hände, zahle ich Ihnen den Rest.«

Der Freiherr hatte sich gezwungen, diesen Antrag mit einem Lächeln anzuhören. Endlich sagte er kurz: »Was Sie mir vorschlagen, kann ich nicht annehmen, denken Sie an einen andern Ausweg.«

»Es giebt keinen,« sagte Veitel, »aber es ist erst Mittag, ich kann warten bis um fünf.« Er machte wieder seine tiefen Bücklinge und wandte sich an der Thür noch einmal um. »Was Sie, gnädiger Herr, jetzt von Geld brauchen,« sagte er ernst, »das sind nicht die zehntausend Thaler allein; Sie werden in den nächsten Monaten noch nöthig haben eben so viel für Ihre Fabrik, und um zu retten Ihr Capital auf der polnischen Herrschaft. Wenn Sie mir cediren die Hypothek, haben Sie das ganze Geld. Und noch eine Bitte habe ich an meinen gnädigen Herrn: Geruhen Sie, nicht gegen Ehrenthal zu sprechen von unserm Geschäft; er ist ein harter Mann und würde mir schaden mein Leben lang.«

»Seien Sie ohne Sorge,« sagte der Freiherr mit einer verabschiedenden Handbewegung. Veitel entfernte sich.