»Es kommt,« sagte Specht und führte den Besuch zu seinen Gefäßen.
Bei näherer Betrachtung entdeckte Anton in den Töpfen einige schwache Epheuranken, welche bestäubt und verkommen wie die Ueberreste dämmeriger Traumbilder aussahen, welche dem erwachenden Menschen noch einige Augenblicke an den Fäden seiner Seele hängen, um gleich darauf für immer zu vergehen.
»Aber Specht, dieser Epheu wird's nicht thun,« sagte Anton.
»Er ist auch nicht allein da,« belehrte Specht geheimnißvoll; »sehen Sie, hier kommt noch Anderes.« Er wies auf mehrere magere, spargelähnliche Gebilde, welche sich aus den Töpfen erhoben und mit nichts Anderem zu vergleichen waren, als mit den unglücklichen Versuchen, zu keimen, welche die Kartoffeln zur Zeit des Frühjahrs in einem warmen Keller anstellen.
»Und was sollen diese Keime bedeuten?«
»Es sind Bohnen und Kürbisse,« sagte Herr Specht. »Das Ganze wird eine Kürbislaube; in einigen Wochen werden die Fäden von den Ranken belaufen sein. Denken Sie, Wohlfart, wie famos das aussehen wird! Von allen Seiten die grünen Ranken, die Blüthen und die großen Blätter. Das Ganze wird ein Zelt sein mit zwei Eingängen. Die meisten Kürbisse werde ich abschneiden, damit mir die Last nicht zu schwer wird, einzelne lass' ich hängen, es werden Netze darunter gemacht. Bitte, stellen Sie sich das ganze dicke Grün vor, dazwischen die gelben Blüthen, es wird reizend aussehen! Das wird ein Sitz, mit guten Freunden eine Flasche Wein zu trinken, oder vierstimmig zu singen.«
Ach die guten Freunde hatten Herrn Specht verlassen, er ließ sich aber alle Sonntage vom Bedienten eine halbe Flasche Wein holen, setzte vier Gläser auf den Tisch und trank eines nach dem andern aus.
»Aber Specht,« frug Anton lachend, »können Sie denn im Ernst glauben, daß die Kürbisse in Ihrer Dachstube wachsen werden?«
»Warum sollen sie nicht wachsen?« rief Herr Specht gekränkt. »Sie sind gerade wie die Andern. Die Pflanzen haben ja Sonne, ich sorge für frische Luft, ich gieße mit Rinderblut, sie haben Alles, was sie brauchen.«
»Aber sie sehen verzweifelt kränklich aus.«