»Das ist nur der Anfang, die Luft ist draußen noch kalt, und wir haben einige Wochen gehabt, wo der Sonnenschein fehlte. Später schießen sie auf einmal in die Höhe. Wenn Einer nichts von einem Garten hat, muß er sich zu helfen wissen.« Er sah sich vergnügt in der Stube um. »Sehen Sie, im Decoriren eines Zimmers will ich's mit jedem reichen Mann aufnehmen. Natürlich nach meinen Mitteln. Aus Oelbildern mache ich mir nicht viel, sie werden in der Regel schwarz; meine Bilder hier werden höchstens ein wenig heller. Es hat mich Geld gekostet, dafür ist es hier hübsch geworden. Mein Zimmer ist nicht groß, aber es ist wohnlich.«
»Ja,« entgegnete Anton, »außer für gewisse Unarten unruhiger Menschen, als Geradestehen und Umhergehen. Darauf muß man hier verzichten. Sie können nur solchen Besuch gebrauchen, der sich gleich an der Thür auf den Fußboden setzt.«
»Ruhig zu sitzen, ist ja eine Hauptregel bei der Unterhaltung,« versetzte Specht. »Leider sind die Menschen oft schlecht und ohne Herz. — Finden Sie nicht auch, Wohlfart, daß in unserm Comtoir einige Collegen gemüthlos sind?« sagte er leise.
»Manchmal etwas kurz,« erwiederte Anton, »aber die Meinung ist gut.«
»Ich finde das nicht,« seufzte Specht. »Ich bin jetzt ganz allein und muß meinen Trost außer dem Hause suchen. Wenn ich kann, gehe ich in's Theater, oder zu den Reitern, und wenn ein Zwerg kommt oder ein Seehund, und natürlich in die Concerte.«
»Aber das hilft doch nicht immer gegen die Einsamkeit.«
»Nein,« versetzte Specht; »denn es kostet Geld, und Sie wissen, ich habe keinen hohen Gehalt, und ich fürchte, ich werde auch nicht viel mehr kriegen, als jetzt. Von Hause aus hatte ich Vermögen,« sagte er wichtig, »aber ein Vetter von mir, der mein Vormund war, hat mich darum gebracht. Hätte ich's noch, könnte ich vielleicht mit Vieren fahren. Glauben Sie nur, ich wäre auch nicht glücklicher. Wenn nur der Pix nicht so grob wäre,« klagte er wieder. »Es ist schauderhaft, Wohlfart, das alle Tage anhören zu müssen. — Ich wollte ihn fordern, während Sie verreist waren,« rief er und wies auf ein altes Rappier, dessen Klinge hinter dem Bett hervorragte. »Aber er benahm sich schlecht. Ich schrieb ihm, daß es mir sehr leid thäte, ihn fordern zu müssen, und es wäre sehr gleichgültig, wo er sich mit mir duelliren wollte. Ich schlug ihm entweder den Berg auf der Promenade vor oder auch unsern Oberboden, wo Raum genug ist, und ersuchte ihn um eine Mittheilung über die Waffen, welche er gebrauchen wollte. Da schrieb er mir unhöflich zurück, er würde sich nur im Hausflur duelliren, wo er sich alle Stunden des Tages aufhielte, und was die Waffen beträfe, so könnte ich fechten, womit ich wollte, seine Waffe wäre der große Pinsel, er sei bereit, mir auf jede Backe eine Signatur zu machen. Sie werden mir zugeben, daß ich darauf nicht eingehen konnte.«
Das gab Anton zu.
»Jetzt hetzt er die andern Collegen wider mich auf,« fuhr Specht kleinlaut fort. »Der Zustand ist für mich unerträglich, ich kann gar nicht mehr mit den Andern zusammen sein, ohne daß ich beleidigt werde. Aber ich weiß, wodurch ich mich räche. Ich spare jetzt. Wenn die Kürbisse erst blühen, dann gebe ich Allen einen Satz, nur Pix lade ich nicht ein; wie er's damals mit Ihnen gemacht hat, Wohlfart. Ich will uns beide an ihm rächen.«