Länger als zwei Tage vermochte er nicht den Schmerz seines Sohnes zu ertragen, welcher zusehends kränker wurde und alles Zureden der Eltern mit kurzen Worten zurückwies. »Ich muß ein Opfer bringen,« sagte Ehrenthal vor sich hin, »ich muß die Ruhe wiedergeben seinen Nächten und machen, daß er aufhört mit seinem Stöhnen. Ich will denken an meinen Sohn, und ich will dem Baron schaffen die andere Herrschaft bei Rosmin, worauf er jetzt stehen hat sein Geld, und wenn nicht, so will ich ihm retten das Geld darauf ohne einen Nutzen für mich. Ich verliere dabei einen Vortheil, den ich machen könnte mit dem Löwenberg von mehr als einem Tausend Thaler. Ich denke, das wird mir bewegen den Bernhard.« So setzte er entschlossen seinen Hut auf, zog ihn tief in die Stirn, um die rebellischen Gedanken, welche immer noch in ihm aufstiegen, kräftig zu unterdrücken, und schritt in die Wohnung seines Schuldners.
Der Freiherr empfing den unerwarteten Besuch mit der Angst, welche ihm jetzt bei jedem Eintritt eines Geschäftsmannes den Athem benahm. »Kaum ist der Warner hinaus, so kommt der Feind selbst. Jetzt wird er die gerichtliche Cession der Hypothek von mir fordern, jetzt kommt, was darauf folgen muß.« Aber freudig erstaunte er, als Ehrenthal mit höflichen Worten aus freien Stücken sich erbot, für ihn nach Rosmin zu reisen und nöthigenfalls von dort aus weiter, um ihn bei dem Verkauf der polnischen Herrschaft zu vertreten. »Ich will mir zu Hülfe nehmen einen sichern Mann, den Justizcommissarius Walther aus Rosmin, damit Sie sehen, daß Alles in Ordnung zugeht. Sie werden mir Vollmacht geben, zu bieten auf das Gut, und die Käufer so weit zu treiben, bis Ihre Hypothek gedeckt ist durch den Kaufpreis, den ein Anderer zahlt.«
»Ich weiß, daß dies nothwendig sein wird,« sagte der Freiherr, »aber um Gottes willen, Ehrenthal! was soll geschehen, wenn die Herrschaft in unsern Händen bleibt?«
Ehrenthal zuckte die Achseln: »Sie wissen, ich habe Ihnen nicht zugeredet zu der Hypothek, ja ich kann sagen, ich habe Ihnen abgeredet, wenn ich mich recht besinne. Wenn Sie mir damals hätten gefolgt, so hätten Sie vielleicht nicht gekauft die Hypothek.«
»Es ist aber einmal geschehen,« versetzte der Freiherr ärgerlich.
»Erst bitte ich Sie, Herr Baron, zu bezeugen, daß ich unschuldig bin.«
»Das ist ja jetzt gleichgültig.«
»Für Sie ist es gleichgültig,« sagte Ehrenthal, »aber nicht für mich und meine Ehre als Geschäftsmann.«
»Wie meinen Sie das,« fuhr der Freiherr auf, daß Ehrenthal zusammenschrak, »Sie wagen zu behaupten, daß mir etwas gleichgültig ist, was selbst Ihnen keine Ehre bringt.«