Itzig verließ den Freiherrn und stürzte in wilder Aufregung nach seinem Lager im Hause des Pinkus. Heftig lief er in dem kleinen Zimmer auf und ab und ballte die Faust gegen Bernhard. Er öffnete den alten Schreibtisch und zog aus einer verborgenen Schublade zwei Schlüssel, die er auf die Tischplatte legte; immer wieder blieb er davor stehen und starrte sie an. Endlich versenkte er sie in die Tasche und sprang hinunter in die Caravanserei. Dort kauerte in einer Ecke der Galerie Herr Hippus, der kluge Freund Veitels. Hippus war in den letzten Jahren durch den Druck der Verhältnisse verhindert worden, stattlicher, jünger und ehrlicher zu werden, er sah vielmehr ungewöhnlich abgenagt und schadhaft aus. Jetzt hatte er sich in einen Winkel gedrückt, in welchen das warme Sonnenlicht fiel, und las in einem schmutzigen Roman. Als Veitel mit schnellem Schritt eintrat, senkte er den Kopf tiefer in sein Buch und schien an jedem Buchstaben mehr Antheil zu nehmen, als an dem jungen Geschäftsmann vor ihm.

»Macht Euer Buch zu und hört mich an,« rief Veitel ungeduldig. »Der Rothsattel wird vom Ehrenthal seine Scheine zurückerhalten, er wird mir die Hypothek geben, und ich werde ihm sollen verschaffen die Achttausend, welche noch Rest sind.«

»Seht doch, seht,« erwiederte der Alte, sein häßliches Haupt wiegend, »was man nicht Alles erlebt! Wenn der Ehrenthal sein Geld an einen Lumpen wegschenkt, der ihm sein Wort gebrochen hat, so wird es Zeit, daß auch wir fromm werden und zur Beichte gehen. Bevor wir weiter reden, kannst du mir etwas heraufbringen, was ich gern esse und trinke. Ich bin durstig und spreche kein Wort mehr.«

Veitel eilte hinab, das Verlangte zu holen, der Alte sah ihm nach und murmelte: »jetzt kommt's,« und starrte kopfschüttelnd über das Buch weg.

Als Veitel die geforderte Mahlzeit vor dem Advocaten aufgestellt hatte, frug er kurz: »Wie viel?«

»Dreihundert,« sagte der Alte, »und dafür muß ich mir's noch überlegen. Es ist nicht mein Genre, holder Itzig. In meinem Beruf stehe ich für weniger zu Dienst, wie du zu deiner Zeit erfahren hast; aber bei einer ehrenwerthen Arbeit im Styl des Herrn Cartouche und anderer Freunde von dir verlange ich eine bessere Bezahlung. Ich bin nur Freiwilliger. Und ich kann nicht sagen, daß ich Vorliebe für solche Geschäfte habe.«

»Hab' ich sie denn?« rief Itzig. »Wenn es ein Mittel giebt, dies zu vermeiden, so sagt's. Wenn Ihr wißt, wie man den Baron und Ehrenthal auseinander halten kann und Jeden ruiniren durch den Andern, so sagt's. Der eigene Sohn Ehrenthals wird Friede machen zwischen den Beiden, er wird zwischen ihnen stehen, wie ein nackter Bocher mit Flügeln auf dem Bilderbogen steht zwischen zwei Verliebten; und wir werden sein die Geprellten.«

»Wir?« sagte der Alte vergnügt. »Du wirst der Geprellte sein, du Dohle. Was gehn mich deine Geschäfte an?«

»Zweihundert,« rief Veitel sich ihm nähernd.