»Drei,« erwiederte der Alte und trank sein Glas aus, »aber ich thue es nicht allein, du mußt dabei sein.«
»Wenn ich dabei sein will,« sagte Veitel, »so kann ich's allein thun und brauche nichts von Eurer Hülfe. Hört mich an. Ich will machen, daß das Haus leer ist, daß der Ehrenthal und der Baron zu gleicher Zeit aus dem Comtoir hinaufgehn; ich will Euch ein Zeichen geben, ob die Papiere auf dem Tisch liegen, oder im Schrank. Es wird finster sein, Ihr werdet haben die Zeit von einer halben Stunde. Ja, ich will zuschließen; den Ausgang zur Hintergasse, der gewöhnlich verriegelt ist, werde ich aufmachen. Es ist so sicher, daß ein Kind von zehn Jahren könnte machen das Geschäft.«
»Sicher genug für dich,« sprach der Alte mürrisch, »aber für mich nicht.«
»Wir haben doch versucht, was man machen kann mit dem Gesetz, und es ist nicht gegangen,« rief Veitel, »so muß es gehen wider das Gesetz.« Er schlug mit der Faust auf das Geländer und preßte die Zähne zusammen, daß sie knirschten. »Und wollt Ihr's nicht thun, so soll es doch geschehn; obgleich ich weiß, daß aller Verdacht auf mich fällt, wenn ich während der Zeit nicht in der Stube des Bernhard bin.«
»So ist's recht, du lustiger Itzig,« sagte der Alte und rückte an seiner Brille, um die zornige Entschlossenheit des Andern genauer zu betrachten. »Da du so tapfer bist, so will ich dich nicht im Stich lassen; aber Dreihundert.«
Der Handel begann. Die Beiden drückten sich in die Ecke der Galerie und sprachen leise mit einander bis zur Dunkelheit.
Einige Tage darauf saß Anton in der Dämmerstunde am Lager des kranken Bernhard: »Nur im Sprunge bin ich hergekommen, zu sehen, wie es Ihnen geht.«
»Schwach,« erwiederte Bernhard, »immer noch schwach; das Athmen wird mir schwer. Wenn ich nur in's Freie käme, nur einmal hinaus aus dem dunkeln Zimmer!«