»Ich kann diese Kostbarkeiten nicht übernehmen,« sagte Anton, »ohne einige Maßregeln, welche meine Verantwortung geringer machen. Vor Allem will ich in Ihrer Gegenwart wenigstens flüchtig aufzeichnen, was Sie mir übergeben wollen.«
»Welch unnütze Grausamkeit!« rief Lenore.
»Es soll nicht lange aufhalten.« Anton riß einige Blätter aus seiner Brieftasche und schrieb Stück für Stück auf.
»Du darfst nicht zusehen, Mutter, ich leide es nicht,« drängte Lenore, sie zog die Mutter aus dem Zimmer, dann setzte sie sich zu Anton und sah ihm zu, wie er die einzelnen Stücke einpackte, mit Nummern versah und zusammen in den Koffer legte.
»Die Vorbereitungen für den Markt sind schrecklich,« klagte Lenore, »das ganze Leben der Mutter wird verkauft, an jedem Stück hängen für sie Erinnerungen. Sehen Sie, Wohlfart, diesen Diamantenschmuck hat sie von der Prinzessin bekommen, als sie den Vater heirathete.«
»Es sind prachtvolle Brillanten,« rief Anton bewundernd.
»Dieser Ring stammt von meinem Großvater, und das hier sind Geschenke meines armen Papa's. — Ach, kein Mann versteht, wie lieb uns diese Schmucksachen sind. Es war jedesmal ein Festtag auch für mich, wenn Mama die Brillanten trug. — Jetzt kommen wir zu meinen Habseligkeiten, sie sind nicht viel werth. Ob dieses Armband gutes Gold sein mag?«
»Ich weiß es nicht.«
»Wir wollen es doch zu dem Uebrigen thun,« sagte Lenore, streifte den Goldreif vom Arm und legte ihn auf den Tisch. »Ja, Sie sind ein guter Mensch, Wohlfart,« fuhr sie fort und sah ihm treuherzig in die feuchten Augen; »verlassen nur Sie uns nicht. Der Bruder hat keine Erfahrung und ist hülfloser als wir. Es ist eine furchtbare Lage auch für mich. Vor Mama mühe ich mich, gefaßt zu sein, aber ich möchte laut schreien und weinen den ganzen Tag.« Sie sank in einen Stuhl und hielt seine Hand fest. »Lieber Wohlfart, verlassen Sie uns nicht.«
Anton beugte sich über sie und sah in leidenschaftlicher Bewegung auf die schöne Gestalt, die so vertrauend aus ihren Thränen zu ihm aufsah. »Ich will Ihnen nützlich sein, wo ich kann,« sprach er in mächtiger Aufwallung seines Gefühls, »ich will Ihnen nahe sein, so oft Sie mich bedürfen. Sie haben eine zu gute Meinung von meinen Kenntnissen und meiner Kraft, ich kann Ihnen weniger helfen, als Sie glauben. Was ich aber vermag, das werde ich thun, in jeder Thätigkeit und auf allen Wegen.«