»Guten Tag, Ihr Herren!«

»Was treiben Sie so träumerisch auf der Straße?« frug Herr von Tönnchen.

»Ich suche Menschen,« erwiederte Fink melancholisch, »ein paar treue Gesellen, welche verdorben genug sind, an diesem langweiligen Sonntage bei Tageslicht eine Flasche Portwein zu trinken und mir vorher in einem kleinen Geschäft als Zeugen zu dienen.«

»Als Zeugen?« frug Herr von Zernitz. »Wollen Sie sich hinter der Kirche duelliren?«

»Nein, schöner Cavalier,« erwiederte Fink, »Sie wissen, ich habe diese Unart verschworen, seit der kleine Lanzau meiner Pistole den Hahn abgeschossen hat. Gerade jetzt bin ich sehr friedfertig, ein geplagter Geschäftsmann, würdiger Sohn der Handlung Fink und Becker. Ich suche Zeugen für eine notarielle Urkunde, welche eiligst ausgestellt werden muß. Ich finde wohl einen Notar, aber die gewöhnlichen Gerichtszeugen sind heut am Sonntag auf den Kegelschub gelaufen. Es wäre menschlich von Ihnen, wenn Sie mir diesen unglücklichen Nachmittag durchbringen hälfen, eine Viertelstunde beim Notar, den Rest beim Italiener.«

Mit Vergnügen waren die Herren bereit. Fink führte sie zu einem bekannten Notar und bat diesen, vor beiden Zeugen eine Abtretungsurkunde auszustellen, da die Cession sofort erfolgen müsse und die Sache von größter Bedeutung sei. Er überreichte ein ehrwürdiges, in englischer Sprache geschriebenes Document, worin der Generaladvocat irgend einer County im Staat New-York urkundlich offenbarte, daß Herr Fritz von Fink Eigenthümer des Territoriums Fowlingfloor, sowohl des Grund und Bodens, als der darauf befindlichen Gebäude, Bäume, Gewässer und aller daran haftenden Nutzungen sei. Darauf erklärte er vor dem Notar, daß er alle nach dieser Urkunde ihm zustehenden Eigenthumsrechte an Herrn Anton Wohlfart, zur Zeit im Geschäft von T. O. Schröter, cedire. Zahlung dafür sei vollständig geleistet. Endlich bat er den Notar inständig, das Document schleunigst auszustellen und über die ganze Sache Stillschweigen zu beobachten. Der Herr versprach das, und die beiden Zeugen unterschrieben die Verhandlung. Beim Herausgehen bat er diese ebenfalls mit mehr Ernst, als er sonst zu verwenden pflegte, diesen Act als tiefes Geheimniß zu bewahren und vor Allem gegen Herrn Anton Wohlfart selbst ein unverbrüchliches Schweigen zu beobachten. Beide gelobten das mit einiger Neugierde, und Herr von Zernitz konnte nicht umhin, zu bemerken: »Ich will nicht hoffen, Fink, daß Sie hier Ihr Testament gemacht haben, in diesem Falle wäre ich Ihnen dankbar gewesen, wenn Sie mir Ihre Büchse vermacht hätten.«

»Wenn Sie die Büchse von dem lebendigen Fink annehmen wollen,« erwiederte Fink, »so werden Sie ihn sehr glücklich machen.«

»Teufel!« rief der gutmüthige Lieutnant fast erschrocken, »so war es nicht gemeint. Ich weiß doch nicht, ob ich das mit gutem Gewissen annehmen darf.«

»Thun Sie es immerhin,« sagte Fink freundlich, »ich habe das Rohr satt, es wird bei Ihnen in guten Händen sein.«

»Es ist ein kostbares Geschenk,« warf der Lieutnant mit Gewissensbissen ein.