»Wenn Wohlfart nur nicht zu spät nach Hause kommt, das kann Herr Schröter nicht leiden,« sagte Karl.
Unterdeß öffnete der Bediente die Flügelthüren zum Salon der Frau von Baldereck, und Fink und Anton betraten eine Reihe erleuchteter Zimmer, in denen sich eine große Anzahl eleganter Damen und Herren Thee trinkend, schwirrend und mit den Flügeln schlagend durcheinander bewegte. Die Mütter und Verwandten der jungen Damen waren geladen, um der Eröffnung der Tanzstunde beizuwohnen. Fink raunte dem Freunde noch in's Ohr: »Sei nur so unverschämt, als du kannst, es ist Alles dummes Zeug,« — und führte den Widerstandslosen vor das Angesicht der Frau vom Hause.
Anton wurde huldreich empfangen, machte seine Verbeugung und sah in seiner Angst nicht, daß die Blicke des Kreises, in den er getreten war, sich mit wahrhaft unverschämter Neugierde auf ihn hefteten. »Ich werde Sie der Gräfin Pontak vorstellen,« sagte seine gütige Patronin und führte den Schützling, der tief Athem holte, vor die Füße einer hagern langen Frau von unbestimmtem Alter, welche auf einem erhöhten Platz, von Damen und Herren umgeben, thronte. »Liebe Betty, hier Herr Wohlfart.« Anton sah in dieser Angststunde, daß die liebe Betty eine lange pergamentene Nase, wenig Lippen und ein recht hartes abstoßendes Gesicht besaß, er fühlte zwei stechende Blicke an seinem Gesicht herumpicken und senkte sein Haupt halb zum Gruß, halb mit der Ergebenheit eines Kriegsgefangenen. Die Gräfin saß kerzengerade bei seiner Verbeugung und frug von ihrer Höhe mit gleichgültiger Stimme: »Sie sind ein Freund des Herrn von Fink?«
»Zu Befehl, Frau Gräfin,« antwortete Anton.
»Und Sie leben noch nicht lange hier in der Stadt?« Jedes Gespräch in der Nähe hörte auf, mehr als zwanzig Augen stachen den armen Anton.
»Doch schon einige Jahre,« antwortete Anton wieder.
»Sie sind ja wohl ein Ausländer?« fuhr Betty in gemüthvoller Conversation fort.