Jetzt war Anton gefeit gegen alle Schrecken der Gesellschaft, seine Befangenheit war verschwunden, eine angenehme Begeisterung erfüllte ihn. Was konnten ihm doch diese hell gekleideten, buntgebänderten Gestalten sein, welche um ihn hüpften, oder fest gewurzelt standen? Sie waren ihm gleichgültig, wie eine Schaar kleiner Vögel, oder wie die Pflanzen auf der Wiese. Er suchte schnell Fink auf und ließ sich von ihm einem Dutzend Herren vorstellen, ohne irgend einen Namen der Vorgestellten zu behalten. Darauf bat er Fink sofort, ihn zu einzelnen der jungen Damen zu führen.

»Hast du mit der Tochter vom Hause gesprochen?« frug Fink.

»Nein,« sagte Anton lustig.

»Schnell hin, Unseliger,« ermahnte Fink, »mache dich gefaßt auf schlechte Behandlung.«

»Ist mir ganz gleichgültig,« sprach Anton, den Arm seines Freundes drückend, diesem in's Ohr, während er vor Fräulein Eugenie aufgestellt wurde.

Das Fräulein war so kalt gegen Anton, als sich nach der langen Vernachlässigung nur irgend erwarten ließ. Er hatte Mühe, einige kurze Antworten zu erlangen, und wurde durch den Anblick ihres Hinterzopfes beglückt, sobald Lieutnant von Zernitz an sie herantrat.

Auch diese Niederlage war ihm sehr gleichgültig. In seiner Nähe waltete Frau von Baldereck und beobachtete mit einem Auge die Gesellschaft, mit dem andern ihre Tochter und mit dem unnennbaren sechsten Sinn, welchen die Fledermäuse in so ausgezeichnetem Grade besitzen sollen, Herrn von Fink. Schnell trat Anton an sie heran und bat, ihn mit einem rosafarbenen Wesen, welches braunes Haar und silberne Kornähren zu tragen schien, bekannt zu machen.

»Sie meinen Comteß Lara?« frug die Dame vom Hause.

Natürlich verneigte sich Anton bejahend, Lara, Tara oder Gutgewicht war ihm in diesem Augenblick ganz gleichgültig. Die Comteß sah ihn befremdet an, er aber sprach mit gemüthlicher Wärme in sie hinein, von den Freuden der zu erwartenden Tanzstunde, von der allerliebsten Decoration des Salons, und wie schön man jetzt Säle auszuschmücken wisse, und von dem neuen Wintergarten in Paris, den er am Tage zuvor aus irgend einer Zeitung kennen gelernt hatte. Er schilderte ihr Springbrunnen und Glaskuppeln und vergoldete Gitter und künstliche Felsen mit tropischen Pflanzen und kleine Salamander, welche zur Freude des Publikums dazwischen umherschlüpfen, Alles mit einem Feuer, daß die kleine Dame in Rosa nach und nach aufthaute und endlich, als er bei den Eidechsen angekommen war, ebenfalls beweglich wurde und ihrerseits von zwei Feuermolchen erzählte, die sie einmal auf einem Stein gesehen, und von dem Entsetzen, das sie ihr eingejagt. Wenn sie Anton gesagt hätte, daß die beiden Molche mit untergeschlagenen Beinen auf dem Felsen gesessen und Bier aus einem Deckelglase getrunken hätten, so wäre ihm auch das als ein alltägliches Ereigniß aus dem Nachtgebiete der Natur erschienen. Da gerade, als Anton wieder den Uebergang machte vom Molch zu einer großen Ausstellung von Kürbissen, welche einige Wochen zuvor in der Stadt gewesen war, da dröhnte die Pauke, da schmetterte die Trompete, und das rosafarbene Kleid so wie die silbernen Aehren versanken vor seinen Augen in den Boden, er machte eine kurze Wendung und verließ das betroffene Fräulein, bevor er seine Rede geendet hatte.