Dort stand seine Königin im Gespräch mit ihrer Mutter, welche, jetzt kleiner als die hoch aufgeschossene Gestalt der Tochter, zu dieser aufsehen mußte. Der kriegerische Trotz Antons verschwand, als er vor die Baronin trat. Das waren die feinen Züge, das unaussprechlich vornehme Wesen, welches ihn einst so sehr in Erstaunen gesetzt hatte. Die letzte Vergangenheit hatte die Schönheit der Baronin nicht vermindert, und die Nähe, in welcher Anton sie jetzt betrachtete, erhöhte den Zauber, den ihre Erscheinung auf ihn ausübte. Die erfahrene Frau sah mit dem ersten Blick in Anton einen Neuling der Gesellschaft, seine Annäherung zeigte einen Ueberfluß von Hochachtung, und sein Hut, den er im Arme hielt, war von dem Druck wollig geworden und sah aus, wie mit einem Pudelfell überzogen.

»Dies ist Herr Wohlfart,« sagte Lenore mit einer empfehlenden Handbewegung, »hier ist der Herr, um dessen willen du mich schon einmal ausgescholten hast. Ja, mein Herr, ich habe damals, als ich Sie zuerst sah, von Mama Schelte bekommen, weil ich Sie so lange in unserm Garten aufgehalten hatte.«

»Das macht mich sehr unglücklich,« erwiederte Anton mit dem Ausdruck eines unsäglichen Leidens. »Ach, Sie können nicht ahnen, Frau Baronin, wie glücklich ich damals durch die Theilnahme des gnädigen Fräuleins geworden bin; ich ging zu fremden Menschen und in eine ungewisse Zukunft. Ihre freundlichen Worte haben mir Muth gegeben. Und oft sind sie mir seitdem in einsamen Stunden wieder in die Erinnerung gekommen, als eine gute Prophezeiung für meine Zukunft.«

»Sie wissen das so rührend zu sagen,« rief Lenore ihn unverwandt ansehend.

Die Baronin hörte verwundert den Erguß Antons und betrachtete den gefühlvollen Tänzer mit einer Neugierde, die nicht ohne leises Unbehagen war. Lenore aber unterbrach die beginnende Unterhaltung Antons mit ihrer Mutter, indem sie unruhig sagte: »Man tritt an, wir müssen zum Tanz.« Anton ergriff ihre Hand mit den Fingerspitzen und führte sie in den Kreis der tanzenden Paare.

»Er walzt erträglich, etwas spießbürgerlich, zu viel Zirkel, aber es ist Haltung darin,« brummte Fink.

»Ein distinguirtes Paar,« rief Frau von Baldereck in der Nähe der Baronin von Rothsattel, als Anton und Lenore vorbei walzten.

»Sie spricht zu viel mit ihm,« sagte Frau von Rothsattel zu ihrem Gemahl, welcher in diesem Augenblick zu ihr trat.

»Mit ihm?« frug der Freiherr, »wer ist der junge Mann? Ich habe das Gesicht noch nicht gesehen.«

»Er gehört zu den Poursuivants des Herrn von Fink, er ist nicht von Familie, er soll reiche Verwandte in Amerika oder Rußland haben. Mir gefällt das Entrée für Lenore nicht.«