So zogen sie mit einander durch den Saal, äußerlich lustwandelnd, in dem Herzen die Hölle, scheinbar mit einander plaudernd, innerlich weinend. Zuweilen redete ein langweiliger Herr sie an und zwang sie, still zu stehen und zu antworten, während die fliegende Angst in ihrem Haupte umherraste: »jetzt vielleicht findet's ein Anderer.« Sie kamen durch die Gruppe der Grünen, wo sie nach allen Seiten anhalten mußten, um zu lächeln und Freundliches zu sagen, sie kamen zu Eugenie Baldereck, die sie frug, ob es nicht zweckmäßig sei, noch einen Tanz anzuhängen, während sie daran denken mußten, daß in dem Buch ein unverkennbares Portrait zu sehen war mit der Unterschrift: »Naseweis, gefühllos, keck ist E...... B.......;« sie kamen, wehe, wehe! sogar in Finks Nähe, von dem eine schreckliche Zeichnung war, wie er mit Herrn von Tönnchen in einem Rebenstock saß, mit der Unterschrift:

Ein Zeisig und Nußknacker tranken sich voll,
Der Zeisig sang: mein Schnabel ist spitz,
Grün sind meine Federn und grün mein Witz:
Der Nußknacker seufzte: ich bin so hohl,
Ich weiß nicht, was das bedeuten soll.

So zogen sie zwei Mal durch den Saal; ein drittes Mal wagten sie's nicht mehr, sie hatten nichts gefunden. Trostlos kamen sie zu Theone zurück.

»Es giebt nur ein Mittel,« rief Lenore. »Wo ist Herr Wohlfart?«

Hildegard hielt sie zurück. »Du willst doch nicht einem Herrn —«

»Ich übernehme die Bürgschaft,« sagte Lenore stolz; »er ist treu, wo steht er?«

»Dort spricht er mit Frau von Baldereck.« Die beiden Suchenden gingen langsam an Anton vorüber, er drehte ihnen zwar den Rücken zu, aber als sie näher kamen, zog es ihn unwiderstehlich, nach der Musik zu sehen. Er wandte sich um, Lenore stand vor ihm, sie sah ihn bedeutsam an, er löste die Unterhaltung mit Frau von Baldereck, er sprach zu ihnen, sie hatten ihn. »Herr Wohlfart, ein kleines Buch in rother Seide, so groß, ist hier im Saale von Theone Lara verloren. Es ist uns unendlich viel daran gelegen, bitte, bitte, schaffen Sie es uns zurück.«

»Ist es gedruckt?«

»Nein, geschrieben, auch Sie dürfen nicht hineinsehen, es sind unsere Geheimnisse darin. Schwören Sie mir, daß Sie mit keinem Auge hineinsehen, wenn Sie es finden.«