»Ich könnte es behalten,« nickte Fink. »Sie sind zu gütig, wenn Sie mir ein solches Zartgefühl zutrauen.«

»Das wäre mehr als unartig,« rief Lenore.

»Es würde mir das größte Vergnügen machen, mehr als unartig zu sein, wenn ich das Buch hätte. Ein Buch, das Ihnen, oder einer Ihrer Freundinnen gehört, das möglicher Weise Ihre Handschrift oder eine andere Erinnerung an Sie enthält, das werde ich Ihnen in keinem Fall zurückgeben, wenn ich es finde; und wenn ich erfahre, wo es liegt, werde ich es stehlen. Und wenn ich es habe, werde ich es Zeile für Zeile auswendig lernen. Ich werde Ihnen dadurch zu gefallen suchen, daß ich Ihnen einige Stellen daraus vortrage, so oft ich die Freude habe, Sie zu sehen.«

Lenore trat ihm einen Schritt näher, und ihre Augen flammten. »Wenn Sie das thun, Herr von Fink,« rief sie, »so werden Sie als ein Unwürdiger handeln.«

Fink nickte ihr freundlich zu. »Der Eifer steht Ihnen allerliebst, Fräulein; aber wie können Sie Würde von einem lustigen Vogel verlangen, wie ich bin? Die Natur hat ihre Gaben verschieden ausgetheilt, Manchem hat sie verliehen, Verse zu machen, Andere zeichnen kleine Bilder, ich habe von ihr einen spitzen Schnabel erhalten, den gebrauche ich. Haben Sie je einen würdigen Zeisig gesehen?« Er wandte sich lachend ab, faßte Benno Tönnchen beim Arm und ging mit ihm nach der Thür.

Lenore eilte zu Anton: »Herr von Fink hat das Buch, ich flehe Sie an, schaffen Sie es uns zurück, er hat sich geweigert. Er darf nicht weiter darin lesen, es wäre Theonens Tod.«

Anton ergriff hastig seinen Paletot und sprang dem Freunde nach, der bereits auf der Straße war. »Zu Feroni, Anton!« rief ihm Fink am Arm des Benno Tönnchen zu.

»Ich muß etwas im Vertrauen mit dir sprechen,« sagte Anton an seiner andern Seite.

»Jetzt nicht, du brauner Gesandter,« rief Fink, »ich will nichts mit dir zu thun haben.«

»Ich bitte dich, Fritz,« bat Anton sich an ihn drückend, »gieb das Buch heraus, die Mädchen ängstigen sich bis zum Vergehen.«