Das schien Eindruck auf Elinontis zu machen. Sie steckte einen Finger in den Mund und schaute verlegen, begehrlich und nachdenklich zu Ina hinüber. Plötzlich zog sie den Finger aus dem Munde, streckte den rechten Arm aus und wies auf einen großen Stein, der weit abseits, ungefähr in gleicher Entfernung von ihr und Ina lag.
Ina wußte nicht, was Elinontis wollte. Diese aber ließ nicht nach. Sie wies auf den Stein, auf Ina, auf das Brot in ihrer Hand und machte dann eine Bewegung, die anzudeuten schien, daß Ina zum Stein gehen sollte.
Jetzt verstand Ina. Sie stand auf und ging langsam zum Stein hinüber. Dort blieb sie stehen und wartete. Aber es war noch nicht richtig. Elinontis wies wieder auf das Brot, das Ina mitgenommen hatte, dann auf den Stein und schließlich auf das Haus.
Endlich wußte Ina Bescheid. Sie sollte das Stück Brot auf den Stein legen und dann wieder zum Hause zurückgehen. Dann wollte Elinontis hingehen und sich das Brot holen. Ina war glücklich, daß sie verstand, glücklich, daß das Kind das Brot nehmen wollte, und die Art, wie sie, die Geberin dabei zu verfahren hatte, kränkte sie gar nicht. Sie legte das Brot auf den Stein, nachdem sie denselben zuvor mit der Hand von Staub gereinigt hatte und ging dann zu ihrem Sitz vor dem Hause zurück.
Kaum hatte Ina sich gesetzt, da sprang auch schon Elinontis leichtfüßig zu dem Stein hinüber, ergriff das Stück Brot, leckte gleich zweimal am Honig und lief dann zum Brunnen zurück. Schnell füllte sie ihren Wasserkrug und ging, ohne noch einmal zu Ina hinüberzusehen, ihrer Hütte zu. Ina schaute ihr glücklich nach. Siehe da, gerade an der Ecke, wo das Kind umbiegen mußte und wo es den letzten Blick auf Inas Haus werfen konnte, drehte es sich noch einmal um. Als es aber sah, daß Ina ihr mit ihren Blicken folgte, wandte es den Kopf schnell wieder ab.
„Ja, drehe deinen Kopf nur schnell um,“ sagte Ina vor sich hin und lächelte, „das wird schon noch anders werden. Jetzt haben wir einen Anfang.“ Ina war sehr glücklich über diesen Morgen. Als Majull kam, sah er sie verwundert an.
„Was ist dir begegnet?“ fragte er, „du machst ja ein so fröhliches Gesicht und in deinen Augen strahlt es, als scheine die Sonne hinein, und du stehst doch ganz im Schatten.“
„Elinontis hat mein Brot genommen,“ sagte Ina.
„Dein Brot genommen? Was du sagst!“ Er ging, um das Pferd zu besorgen. „Ein wunderliches Weib,“ murmelte er in seiner Indianersprache vor sich hin, so daß Ina ihn schon darum nicht verstand, „sie ist ganz anders wie die andern.“
Am nächsten Morgen dachte Ina: Heute bleibe ich einmal im Hause und gehe gar nicht hinaus. Ich will vom Fenster aus sehen, ob sie mich vermißt oder sie sich gar nicht um meine Abwesenheit kümmert. So machte sie es.