„Wie heißt du?“ fragte Ina.
„Ich heiße Kodaggo.“
„Es ist lieb von dir, Kodaggo, daß du mich nach Hause bringst, ich muß dir nämlich sagen, ich habe ganz die Richtung verloren, in der ich gehen müßte. Ich bin noch nie bei Nacht hier gewesen. Am Tage hätte ich mich schon zurecht gefunden.“
„Du bist eine weiße Frau,“ sagte Kodaggo und lachte, „wir Indianer verlieren nie den Weg. Einen Weg, den wir einmal gegangen sind, und wäre er noch so weit, finden wir immer wieder, wir fühlen uns wieder zurecht. Ihr weißen Leute seid anders. Ihr fragt immer nach den Wegen. Wir tun das nie.“
„Kodaggo, was hat Elinontis zu den Männern gesagt? Bitte, erzähle mir das. Ich habe ja kein Wort davon verstehen können und ich möchte doch gern wissen, was sie sagte und was die Männer bewegte, auf sie zu hören und fortzugehen. Was hat Elinontis gesagt?“
„Sie hat nicht viel gesagt,“ antwortete Kodaggo. „Zuerst hat sie die Männer gescholten und gedroht, sie würde ihnen die Augen auskratzen, wenn sie nicht fortgingen. Dann aber hat sie angefangen zu bitten und gesagt, ihre Mutter wolle nicht, daß sie noch weiter sängen, wenn die weiße Frau das nicht haben wolle, sie habe die weiße Frau lieb, ihre Mutter habe gesagt, alles, was die weiße Frau sage und tue, sei gut. So hat Elinontis gesagt, und da waren die Männer zufrieden und sind fortgegangen. Die Leute haben auch Elinontis gern. Sie ist nicht wie die andern Kinder. Sie läuft nicht den ganzen Tag in den Bergen umher. So klein und jung sie ist, arbeitet sie immer für die kranke Mutter und läßt sie nicht länger allein als sie muß. Sie ist ein sehr kluges, gutes Kind.“
Ina erzählte Kodaggo, daß sie Elinontis kenne, sie sähe sie jeden Morgen am Brunnen, wenn sie Wasser hole, das Kind habe aber noch nie mit ihr gesprochen, und sie möchte so gerne einmal mit dem Kinde reden.
„Warte nur,“ erwiderte Kodaggo, „die Zeit wird schon kommen. Heute nacht hat sie für dich geredet, es wird nicht lange dauern, dann wird sie auch mit dir reden.“
Mittlerweile waren die beiden in die Nähe von Inas Haus gekommen. Ina blieb stehen und reichte Kodaggo die Hand.
„Die letzte kleine Strecke kann ich nun allein gehen,“ sagte sie zu ihrem Begleiter, „habe Dank, daß du soweit mit mir gekommen bist. Ich hoffe, ich sehe dich bald einmal wieder. Ich freue mich über jede neue Bekanntschaft, die ich unter euch lieben Leuten mache.“