„Und wie heißt liebe?“

„Das kann man nicht alleine sagen. Wir denken und reden anders als ihr. Es muß doch jemand da sein, der liebt, und auch etwas, was man liebt. Darum gehören nach unserm Gefühl die drei Worte zusammen. Man darf sie nicht auseinander reißen. Ich liebe dich heißt nilchnscho. Ein Wort für deine drei Worte.“

Nun war Ina zufrieden. „Jetzt habe ich es verstanden,“ sagte sie, „es gefällt mir, wie ihr da denkt und redet.“ Hierauf versuchte sie, das Wort nachzusprechen und sich einzuprägen. Majull mußte es noch etliche Male wiederholen, dann hatte Ina es fest in ihrem Kopfe. „Nun werde ich es nicht wieder vergessen,“ sagte sie. „Ich liebe dich“ „nilchnscho.“

Als Ina sich an jenem Tage von Majull verabschiedete, sagte sie: „Majull, nilchnscho. Ich meine aber nicht dich, sondern jemand anders.“

„Das weiß ich, du meinst die Freundin, die den Brief bekommen soll.“ Er lachte. Ina merkte, daß er Nebengedanken bei diesen Worten hatte. Das wurmte sie, deshalb sagte sie: „Ja, die meine ich, ich denke aber auch noch an jemand anders, wenn du es durchaus wissen willst, du neugieriger Mann.“

Majull lachte laut auf, es lag aber nichts Kränkendes in seinem Lachen sondern nur etwas Versöhnendes, und es klang geradezu herzlich, als er sagte: „Ich weiß, wen du meinst, du brauchst mir den Namen garnicht zu nennen.“

Majull zog seinen Hut vom Kopf — er hatte in der Schule gelernt, daß man zum Gruß den Hut abnehmen müsse, wenn man mit einer Dame zu tun habe — und ritt zu seiner Klaschimba. Er hatte es mit einem Male sehr eilig. Ihm war das goldene Armband eingefallen, das er in der Tasche hatte, und die Freude war wieder wach geworden, es seiner Klaschimba bringen zu dürfen.

Am nächsten Morgen erschien Majull in Begleitung seiner Frau bei Ina. Sie saß hinter ihm auf dem Pferde.

„Das ist meine Frau,“ sagte er zu Ina, die dieselbe bisher nicht gesehen hatte, „sie will dir zeigen, wie schön das Armband an ihrem Arm aussieht.“