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„Dies ist meine Frau“, sagte Majull zu Ina.

Klaschimba, eine noch junge hübsche Frau, glitt anmutig vom Pferde. Sie näherte sich ohne Scheu der weißen Frau und zeigte ihr das Armband an ihrem Arm. Majull hatte ihr so viel Gutes von der Frau erzählt, daß sie ihr mit vollem Vertrauen entgegentrat. Sie bedankte sich aber nicht. Das verstand sie nicht. Sie war nicht in der Schule gewesen wie Majull, der das Dankesagen gelernt hatte. Das heißt nun aber nicht, daß Klaschimba kein Gefühl der Dankbarkeit in ihrem Herzen hatte. Sie sprach es nach Indianerart nur nicht aus, daß sie dankbar war, sie zeigte es aber der weißen Frau durch ihren Besuch. Ina empfand das und freute sich. Sie lud die beiden ein, ehe Majull zu den Pferden gehe, ins Haus zu kommen und eine Tasse Kaffee mit ihr zu trinken. Sie taten es, und während nachher Majull seine Arbeit im Stall verrichtete, saß Klaschimba wie eine alte Bekannte bei Ina, die ihr Bilder zeigte und sich ihr mit Zeichen verständlich zu machen suchte. Klaschimba ritt nicht mit den beiden. Sie ging zu Fuß wieder nach Hause, als Ina und Majull fortritten.

Sie waren eine kleine Strecke Weges schweigend dahingeritten, als Majull fragte: „Ina, hast du gestern abend den Brief an deine Freundin geschrieben?“

„Ja,“ sagte Ina, „das habe ich getan, und es steht auch „nilchnscho“ darin, „ich liebe dich“, denn du mußt wissen, ich habe diese Freundin sehr lieb.“ Als Ina das Wort nilchnscho aussprach, fiel ihr die kleine Elinontis ein. Elinontis war heute morgen nicht am Brunnen gewesen und sie hatte doch Majull gleich nach dem Kinde fragen wollen und es über dem so ganz unerwarteten Besuch der Klaschimba vergessen.

„Majull, Elinontis war heute morgen nicht am Brunnen, um Wasser zu holen. Weißt du etwas von dem Kinde?“

„Ja, sie ist gestern abend von einem Baum heruntergefallen und hat sich den linken Arm verletzt. Das wird wohl die Ursache sein, weshalb sie nicht gekommen ist.“