„Und das sagst du mir jetzt erst?“ erwiderte Ina tadelnd.
„Das ist doch nichts Besonderes,“ meinte Majull, „so etwas ereignet sich alle Tage. Wo Kinder sind und herumspielen, fallen sie auch hin und verletzen sich.“
„Aber es war Elinontis.“
„Ja, ja,“ sagte Majull, „es war Elinontis, ich habe garnicht daran gedacht, Elinontis nilchnscho.“
Ina schaute den Indianer vorwurfsvoll an. Dann sagte sie: „Majull, wir müssen heute sehr schnell reiten,“ und sie trieb ihr Pferd zu schnellerer Gangart an. Majull folgte ohne ein Wort der Erwiderung ihrem Beispiel. Im Galopp ritten die beiden dahin bis sie zu der Hütte der kleinen Elinontis und ihrer Mutter kamen.
Elinontis kauerte am Fußende des Lagers ihrer kranken Mutter. Mit der rechten Hand hielt sie den linken Arm an die kleine Brust gepreßt. Als Ina und Majull eintraten blickte das Kind auf. Ina meinte den Schmerz, den die Kleine fühlte, in ihren Augen lesen zu können. Langsam näherte sie sich dem Kinde. Heute würde und konnte es ja nicht vor ihr davonlaufen. Elinontis machte auch gar keinen Versuch, aufzustehen und das Weite zu suchen. Sie blieb ruhig sitzen und duldete, daß Ina vorsichtig den verletzten Arm anfaßte und anfing, denselben zu untersuchen. Zu den Kenntnissen, die eine Feldmatrone haben muß, die Anstellung auf einer Indianerreservation haben will, gehört auch, daß sie in Unglücksfällen die erste Handreichung tun kann. So hatte Ina bei ihrer Ausbildung für ihre Arbeit hierin Unterweisung erhalten. Obwohl der Arm des Kindes bereits etwas angeschwollen war, fühlte Ina doch bald mit ihren feinen Fingern, daß der eine Knochen des Unterarms gebrochen war.
„Majull, du mußt mir helfen,“ wandte Ina sich an den Indianer, „hole mir ein Stück Pappe.“
„Hier ist keine Pappe.“
Ina sann eine Weile nach. Dann sagte sie: „Ich sah gestern abend einen Indianer an meinem Hause vorbeireiten. Ich weiß nicht, wer er war, er war zu weit fort, und es dunkelte bereits. Aber ich habe deutlich gesehen, daß er eine Pappschachtel unter seinem Arm hatte.“
„Das war Kodaggo,“ unterbrach Majull sie, „er hat sich gestern ein paar neue Schuhe gekauft, die hatte er in der Schachtel.“